Montag, 14. August 2017

Thomas Karlauf / Helmut Schmidt

Die späten Jahre




Klappentext
Fast alle Biographien Helmut Schmidts enden mehr oder weniger mit dem Jahr 1982, dem Jahr seines Ausscheidens aus dem Kanzleramt. Von seinem Leben in den dreiunddreißig Jahren danach drang nur wenig nach außen. Wie aber wurde dieser Mann, der 1982 noch als durchschnittlicher Kanzler galt, zu einem Idol der Deutschen?
Kein anderer Politiker der Bundesrepublik hat eine solche fast kultische Verehrung genossen wie Schmidt. Sein Ruhm gründet allerdings weniger auf der Kanzlerzeit als vielmehr auf seiner zweiten Karriere danach: als Publizist und Elder Statesman, der – scheinbar unbeeinflusst von der Tagespolitik – über den Parteien stand und unbeirrbar an seinen politischen und ethischen Grundsätzen festhielt. Damit erfüllte er zugleich die Sehnsucht weiter Teile der Gesellschaft nach Führung. Die Biographie der späten Jahre 1982 bis 2015 erzählt, wie es dem Kanzler außer Dienst gelang, am Ende so gesehen zu werden, wie er gesehen werden wollte. Thomas Karlauf, der seit 1987 fast alle Buchveröffentlichungen Schmidts betreute, besaß uneingeschränkten Zugang zu dessen Privatarchiv. Seine Biographie entfaltet ein intimes Stück deutscher Zeitgeschichte, gespiegelt im Leben jenes Mannes, den viele Deutsche zum Vorbild schlechthin erklärten. 
Autorenporträt
Thomas Karlauf, geboren 1955 in Frankfurt am Main, ging nach dem Abitur nach Amsterdam und arbeitete zehn Jahre für die George-Zeitschrift Castrum Peregrini. Von 1984 bis 1996 war er Lektor bei den Verlagen Siedler und Rowohlt und führt seither eine Agentur für Autoren in Berlin. 2007 erschien seine vielgelobte Biographie »Stefan George. Die Entdeckung des Charisma«.
Und hier geht es zu einem Video der faz, in dem der Altkanzler Gerhard Schröder diese neue Biografie und den Autor Thomas Karlauf vorstellt. 

Und hier  
kommt man auf die Verlagsseite von Siedler, Randomhouse München. 

Weitere Informationen zu dem Buch


  • Gebundene Ausgabe: 560 Seiten, 26,99 €
  • Verlag: Siedler Verlag (29. Septembe,r 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827500761


Sonntag, 13. August 2017

Ian McEwan / Der Zementgarten (1)



Lesen mit der Leserunde ... 


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Und wieder ein Buch, das mich so gepackt hat, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. In der Leserunde sind die UserInnen schon fleißig am Diskutieren, und ich bin schon mit dem Buch durch. Wie so oft wurde ich von dem Lesen so gefangen genommen, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen, weshalb ich in der Leserunde nur wenig geschrieben habe. Mich hat das Buch einfach gefesselt. Ich wollte unbedingt die Entwicklungen weiterverfolgen, ich wollte unbedingt wissen, wie die Handlungen enden. Ich muss nun aufpassen, in der Leserunde nicht zu viel zu verraten.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert; die vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.

Dass keiner etwas merkt, wie es im Klappentext steht, stimmt nicht so ganz. Es hat sehr wohl jemand gemerkt und zwar der dreiundzwanzigjährige Derek …

Mich hat das Buch regelrecht schockiert. Auch ich habe mich dabei gefragt, wo der Autor seinen Stoff her hat??? Die Eindrücke, die die UserInnen in der Leserunde geschildert haben, kann ich sehr wohl teilen. Ich sehe es ähnlich, weshalb ich später meine Buchbesprechung mit der Leserunde verlinken werde, auch, damit ich mich nicht wiederholen muss.

Mich hat schockiert, wie sehr die Kinder mit dem Verlust der Mutter schicksalhaft alleine gelassen waren, und sie nicht wussten, wie sie mit ihrer Trauer umzugehen hatten. Mich hat schockiert, wie sie die tote Mutter beseitigt haben. Diese Bilder in meinem Kopf, als sie die Leiche der Mutter in eine Kiste gelegt haben, um sie mit Zement zuzudecken, und später dieser unangenehme Verwesungsgeruch ekelte mich ... Sind Kinder tatsächlich zu solchen Taten fähig?

Man hat aber nicht den Eindruck, dass die Kinder trauern, nach dem die Mutter beseitigt war. Wie auch; es gab keinen Raum dafür. Sie hatten sich um Dinge zu kümmern, die eigentlich die Angelegenheit von Erwachsenen gewesen wären. Jedes Kind hatte seine eigene Art, im Stillen mit dem Verlust fertigzuwerden, vor allem der sechsjährige Tom, der wieder in die Kleinkindphase regrediert ist. Oder Julie, die Älteste, die dafür sorgte, die Geschwister zusammenzuhalten. Man stellt sich die Frage, wie lange lassen sich solche traumatischen Erlebnisse in dieser Familie verdrängen? Wie lange lassen sich Familiengeheimnisse wie diese vor der Gesellschaft geheim halten?

Es ist keine gewöhnliche Familie mit allen möglichen seelischen und emotionalen Standards.

Es ist eine sehr einsame Familie, die uns der Autor hier aufzeigt. In dieser Familie finden kaum Kontakte zu anderen Menschen statt. Auch gab es keine Verwandte, da sowohl der Vater als auch die Mutter Einzelkinder waren. Die Eltern von beiden müssen schon tot sein.

Freundschaften wurden auch keine geschlossen, und so brachten auch die Kinder niemals FreundInnen mit nach Hause. Diese Einsamkeit zeichnet sich noch deutlicher ab, als nun auch die Mutter stirbt. Über Probleme zu reden war hier nicht üblich.

Und als die Mutter stirbt, mit diesem Zeitpunkt hört die Kindheit von Jack, Julie und Suse auf. Tom ist mit seinen sechs Jahren noch zu klein, doch seine Art, den Mutterverlust zu verarbeiten, liegt, wie ich oben schon erwähnt habe, in der Regression, als  er in die Kleinkindphase flüchtet, um von seiner großen Schwester Julie aufgefangen zu werden …

Von dem Vater hätte ich gerne mehr gewusst. Er schien bei seinen Kindern nicht wirklich beliebt zu sein, während die Mutter viel wärmer wirkte, sich aber dem Vater untergeordnet hatte. Wenn er den Kindern Unrecht tat, dann stellte sich die Mutter nur hinter seinem Rücken auf die Seite ihrer Kinder. Es lässt mich vermuten, dass der Vater zu Gewalt neigte.

Mit welcher Idee die Kinder die tote Mutter letztendlich aus dem Wohnbereich weggeschafft hatten, machte mich sprachlos. Ich habe mit ihnen gebangt, wenn mich auch diese Szene erschauern ließ, ich aber die Ängste sehr wohl nachvollziehen konnte, unter welchem Druck die Kinder standen, damit die Geschwister nicht auseinandergerissen werden würden, für den Fall, dass die Öffentlichkeit sich einschalten würde. Schließlich war es die Mutter, die, als sie schon auf dem Sterbebett lag, mit Jack redete, dass er zusammen mit Julie die Verantwortung für die Geschwister und das Haus übernehmen solle. Sie müsse für eine längere Zeit fort. Jack bekam Angst, und fragte, wohin sie gehe, so antwortete sie, dass sie ins Krankenhaus gehen würde. Zwei Tage später lag die Mutter tot im Bett. Ich frage mich als Leserin, ob die Mutter nicht in der Lage war, die Kinder auf ihren baldigen Tod vorzubereiten? Wahrscheinlich nicht, da es in diesem Haus nicht üblich war, über Probleme zu reden. Doch Jack wunderte sich selbst, weshalb die Mutter nun doch nicht in die Klinik kam und stattdessen stirbt. Aber wer hätte denn den Arzt rufen können? Nur die Kinder. Doch die Mutter lehnte, als die Krankheit ausgebrochen war, jegliche Ärzte ab, da ihr scheinbar keine Heilung attestiert wurde, und so behielt sie ihre Diagnose für sich. Sie vertröstete stattdessen die Kinder, dass die Ärzte zu inkompetent wären, sie zu behandeln. Sie würde schon wieder gesund werden, es sei nur eine vorübergehende Schwäche. Die Kinder glaubten ihr.

Man weiß bis zum Schluss nicht, an welcher unheilbaren Erkrankung die Mutter litt … Auch sie bemühte sich bis zum Schluss, keine Schwäche zu zeigen.

Viele Fragen bleiben am Schluss offen. Es gibt allerdings kleine Andeutungen über Derek, der am Ende schockiert das Haus dieser Kinder verlässt, als er Zeuge eines außergewöhnlichen sexuellen Aktes von Seiten Julie wurde. Wutentbrannt rennt er in den Keller, haut mit einem Werkzeug auf die Zementkiste, in der die Mutter einzementiert liegt, anschließend verlässt er das Haus, steigt in seinen Wagen und braust los. Es lässt vermuten, dass er sich rächen wird, und sich sehr wohl an die verschiedenen Behörden wenden wird. Das wäre schließlich das Aus für diese Geschwisterkinder. 


Mein Fazit?

Es gibt noch viele andere Themen in dem Buch, über die ich mich noch nicht geäußert habe, da in der Leserunde schon darüber geschrieben wurde. Themen, die ein wenig peinlich erscheinen ... Ein supergut geschriebenes Buch. Im Anhang ist eine Bücherliste des Autors abgedruckt, die ich unbedingt abzuarbeiten beabsichtige. Der Autor hat so eine klare Sprache, und die Themen fallen immer aus der Rolle, weshalb es mich reizt, noch mehr von dem Autor zu lesen. Das nächste Buch, das ich von McEwan lesen werde, ist Abbitte

Weiteres ist hier aus der Leserunde entnehmen.

Und hier meine Beurteilung:

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zwölf von zwölf Punkten.

Weitere Informationen zu dem Buch

Taschenbuch 
208 Seiten 
erschienen am 02. Januar 1999 

978-3-257-20648-7 
€ (D) 11.00 / sFr 15.00* / € (A) 11.40 
* unverb. Preisempfehlung 

Und hier geht es auch die Verlagsseite von Diogenes.
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Gelesene Bücher 2017: 32
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Donnerstag, 10. August 2017

Ian McEwan / Der Zementgarten


Lesen in der Leserunde des Bücherforums Watchareadin



Klappentext
Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert; die vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.


Autorenporträt
Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für ›Amsterdam‹ den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk. Sein Roman ›Abbitte‹ wurde zum Weltbestseller und mit Keira Knightley verfilmt. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Auszeichnungen

  •  Somerset-Maugham-Preis für ›Erste Liebe - letzte Riten‹, 1976
  •  Whitbread Prize für ›Ein Kind zur Zeit‹, 1987
  •  Ehrendoktorat der Sussex University, 1989
  •  Ehrendoktorat der University of East Anglia, 1993
  •  Prix Fémina étranger für ›Ein Kind zur Zeit‹ in französischer Übersetzung (›L'enfant volé‹), 1993
  •  Ian McEwan erhält den Booker Prize 1998 für ›Amsterdam‹, 1998
  •  Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung (Hamburg) für das Gesamtwerk von Ian McEwan, 1999
  •  Ian McEwan ist Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences, 1999
  •  ›People's Booker‹ für ›Atonement‹, 2001
  •  ›W. H. Smith‹-Literaturpreis für ›Atonement, 2002
  •  Herausgeber der ›New York Times‹ haben ›Atonement‹ als einen von sieben Titeln zu den ›Books of the Year‹ gewählt, 2002
  •  ›National Book Critics' Circle Fiction Award‹ für ›Atonement‹, 2003
  •  ›Deutscher Bücherpreis‹ in der Sparte ›Internationale Belletristik‹ für ›Abbitte‹, 2003
  •  ›Los Angeles Times Prize for Fiction‹ für ›Atonement‹, 2003
  •  ›Santiago Prize for the European Novel‹ für ›Atonement‹, 2004
  •  ›James Tait Black Memorial Prize for Fiction‹ für ›Saturday‹, 2006
  •  ›Common Wealth Award for Literature‹ für sein Gesamtwerk, 2007
  •  Oscar für die beste Filmmusik (Dario Marianelli) von ›Atonement‹, 2008
  •  ›Golden Globe‹ für das beste Kinodrama und den besten Soundtrack im Film ›Atonement‹, 2008
  •  ›Am Strand‹ wird Buch des Jahres des ›Galaxy British Book Award‹, 2008
  •  ›Atonement‹ erhält den Britischen Filmpreis ›BAFTA‹ für den besten Film und für das Szenenbild, 2008
  •  ›Wodehouse‹-Preis für den Roman ›Solar‹, 2010
  •  Jerusalem-Preis für sein Gesamtwerk, 2011

Verfilmungen

  •  Abbitte, Joe Wright, 2007
  •  First Love, Last Rites, Susanne Kaelin, 2006
  •  Enduring Love, Roger Michell, 2004
  •  First Love, Last Rites, Jesse Peretz, 1997
  •  Der Zementgarten, Andrew Birkin, 1993
  •  …und der Himmel steht still, John Schlesinger, 1993
  •  Der Trost von Fremden, Paul Schrader, 1990
  •  Schmetterlinge, Wolfgang Becker, 1987

Ian McEwan zählt mittlerweile auch zu meinen Favoriten, weshalb ich ein Leseprojekt starten werde. Dies ist nun mein drittes Buch von dem Autor, und ein viertes wartet noch auf meinem SuB. Mal schauen, was mich dieser Band erwarten lässt.


Weitere Informationen zu dem Buch

Taschenbuch 
208 Seiten 
erschienen am 02. Januar 1999 

978-3-257-20648-7 
€ (D) 11.00 / sFr 15.00* / € (A) 11.40 
* unverb. Preisempfehlung 


Und hier geht es auf die Verlagsseite von Diogenes.







Mittwoch, 9. August 2017

Michael Morpurgo / Nur Meer und Himmel

Die Geschichte meines Großvaters

Lesen mit Anne


Klappentext

Bestsellerautor Michael Morpurgo erzählt von der langsamen Annäherung eines Kriegsversehrten und seines Enkelsohns

Seit Michael denken kann, fürchtet er sich vor den Besuchen seines Großvaters. Nicht, weil dem alten Mann mehrere Finger fehlen und sein Gesicht von Verbrennungen entstellt ist, sondern weil seine Eltern in seiner Gegenwart so angespannt sind. Was dem Großvater zugestoßen ist – darüber spricht niemand. Nur Michael hört nicht auf, sich diese Frage zu stellen, und eines Tages bricht der Großvater das Schweigen.

Michael Morpurgo ist ein brillanter Erzähler – zusammen mit den farbigen Illustrationen von Gemma O’Callaghan brennt diese Geschichte lichterloh, bis ganz am Ende so etwas wie Frieden einkehrt.


Autorenporträt

Michael Morpurgo wurde 1943 in London geboren. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sein Roman ›Gefährten‹ wurde verfilmt und lief 2012 in den deutschen Kinos. Morpurgo hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau in Devon, England.

Das Buch hat 2015 einen Literaturpreis erhalten.
Erworben habe ich diese interessante Jugendlektüre wiedermal von Anne-Marit Strandborg, die ein doppeltes Exemplar davon hatte.

Buchbesprechung

Da dies ja nun ein recht dünnes Büchelchen ist, verbinde ich hier auf dieser Seite die Buchvorstellung mit der Buchbesprechung. 
Mir hat das Buch recht gut gefallen, und man kann es allemal jüngere LeserInnen zum Lesen geben. Die Zielgruppe geht bei zwölf Jahren los, und nach oben sind auch keine Grenzen gesetzt. Auch als Erwachsene habe ich die kleine Geschichte mit großem Interesse gelesen. Ein Bilderbuch mit einer recht sensiblen Thematik. Mir waren auch die Figuren recht sympathisch, vor allem der kleine Michael, der gerne Dinge von seinem Großvater wissen möchte, worin die Erwachsenen gerne die Augen verschließen. Seelische Traumatisierungen ausgelöst von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Michael bekommt von seiner Mutter die Anweisung, den Großvater nicht anzustarren und ihm auch keine peinlichen Fragen zu stellen. Doch gerade Michael ist es, der sich für das erlittene Schicksal seines Großvaters interessiert. Als er eines Tages bei seinem Opa auf der Insel seine Ferien zubringen darf, finden die beiden auch ohne viel Worte zueinander. Bis schließlich der Großvater sich seinem Enkel öffnet, und sich ihm anvertraut und aus der Kriegszeit zu erzählen beginnt, und wie es dazu kam, dass der Großvater Körperteile verloren hatte. Dabei erfährt der Junge noch mehr, Trauriges über seine Großmutter und seiner eigenen Mutter ... Weiteres ist dem Buch zu entnehmen. 

Das Buch erhält von mir zwölf von zwölf Punkten und es ist auf jeden Fall jungen LeserInnen weiterzuempfehlen. 


Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
·         Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (19. Februar 2015)
·         Sprache: Deutsch, 14.99 €
·         ISBN-10: 3737352100



Dienstag, 8. August 2017

Paul Auster / 4321 (1)

Lesen mit Tina

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Was für ein prächtiges Buch. Welch eine intellektuelle Herausforderung. Ein sehr reicher Autor mit so viel Kompetenzen, den ich mir nun tatsächlich zu meinen Favoriten anreihen werde, siehe Label rechte Seite dieses Blogs. Das bedeutet, wir, Tina und ich, möchten noch weitere Bücher von Auster lesen. Das war Tinas zweites Buch, und für mich mein erstes. Wir haben für das Buch zwölf Tage benötigt. Tina war sogar noch einen Tag vor mir fertig. Wenn nicht noch andere, diesmal gesellschaftliche und familiäre Aktivitäten, dazwischengekommen wären, hätten wir es noch früher geschafft. Damit möchte ich eigentlich nur ausdrücken, dass der Autor uns mit seinem grandiosen Werk gepackt hat, und uns in einen Sog gerissen hat.

Ich kann jedem/r Leser*in empfehlen, das Buch nicht alleine zu lesen. Sucht euch einen Partner*in und lest zusammen, denn der Autor fordert gewaltig, und dies nicht nur intellektuell.

Ich bin eigentlich jemand, die Klappentexte nur oberflächlich liest, aber hier, in diesem Buch bin ich vorsichtig gewesen, und habe mir den Klappentext genau vorgenommen, in dem man ja schon ein wenig vorbereitet wird, was einen erwarten kann. Ich wollte es nicht riskieren, das Buch einfach ohne jegliche Vorkenntnisse zu starten. Und Tina auch nicht, nachdem wir auf einige Kritiken gestoßen sind, die von dem Inhalt nicht sehr angetan waren. Ich verweise später auf Tinas Buchbesprechung, denn dann muss ich nicht alles nochmals schreiben.

Ich hatte das Buch am letzten Sonntag durch, danach hatte ich eine richtige Flaute, sodass ich erstmal eine Pause einlegen musste.

Und nun scheibe ich ein paar Zeilen über meine Erlebnisse. Das Werk verlangt absolute Kopfakrobatik, indem man immer wieder mit neuen Versionen konfrontiert wurde, die aber als Ganzes nicht abgeschlossen waren. Der Buchtitel 4321 ist demnach gut getroffen. Denn man bekommt es mit vier unterschiedlichen Varianten der Geschichte zu tun. Es geht immer um dieselben Protagonist*innen, aber mit unterschiedlichen Perspektiven und Ausgängen.

Dennoch hat uns das Buch sehr gut gefallen. Auster hat es super gut drauf, menschliche Psychen auf vielfältige Art und Weise zu porträtieren. Er kennt sich aus, er weiß, wovon er schreibt. Im Stillen habe ich mich gefragt, ob der junge Protagonist Archie Ferguson Auster selber ist? Nun ist Tina mir ein wenig zuvorgekommen und hat recherchiert, und tatsächlich konnten autobiografische Züge entnommen werden. Wer so viel weiß, wie Auster das tut, dann weiß er auch, wovon er schreibt. Er kennt sich aus mit seinem Stoff.

Frei von Klischees, frei von Vorurteilen und Stereotypen, Auster ist ein Autor, der aus meiner Sicht auch schreibt, um die Welt mit seinem Buch ein wenig besser zu machen, indem er uns zum Nachdenken bewegt. Die letzten zweihundert Seiten behandelt er recht intensiv die politischen Problematiken Amerikas, die in den vorderen Kapiteln eher kurz angerissen wurden …

Und was seine literarische Sprache betrifft, sie ist sehr klar und aber auch sehr verspielt. Und Archie Ferguson, der Held dieser Geschichten, ist uns auch richtig ans Herz gewachsen. Viele Szenen werden in mir noch lange lebendig bleiben.

Doch was das Inhaltliche angeht, so habe ich selber einen Fehler gemacht; ich habe mir während des Lesens keine Notizen gemacht, um dadurch die unterschiedlichen Perspektiven besser auseinanderhalten zu können. Die ersten beiden Perspektiven konnte ich noch gut im Kopf trennen, aber plötzlich ging das nicht mehr. Als ich dies gemerkt hatte, war es schon zu spät. Mich haben die vielen Geschichten jeder einzelnen Figur dermaßen gepackt, dass ich den Lesefluss nicht unterbrechen wollte. Anders Tina, sie hatte sich während des Lesens schon gleich eine Struktur aufgezeichnet. Ich dagegen hatte mir einen Stammbaum aufgemalt, um die verschiedenen Generationen erst aus zwei Familien, dann später kamen noch andere Familien hinzu, zu divergieren. Aber mehr hatte ich nicht notiert. 

Ich könnte mir vorstellen, das Buch ein zweites Mal zu lesen. 

Und hier meine Beurteilung:

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zwölf von zwölf Punkten.

Und hier geht es zu Tinas Buchbesprechung.



Weitere Informationen zu dem Buch

 Gebundene Ausgabe: 1264 Seiten
·         Verlag: Rowohlt; Auflage: 4 (31. Januar 2017)
·         Sprache: Deutsch, 29,95 €
·         ISBN-10: 3498000977

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Gelesene Bücher 2017: 30
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Dienstag, 25. Juli 2017

Paul Auster / 4321

Lesen mit Tina

Klappentext
Paul Auster, der bekannte amerikanische Bestsellerautor, legt in Gestalt eines Rätselspiels sein bisher umfangreichstes Werk und Opus magnum vor: die vierfach unterschiedlich erzählte Geschichte eines jungen Amerikaners in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts – ein Epos voll mit Politik, Zeitgeschichte, Liebe, Leidenschaft und dem wechselvollen Spiel des Zufalls. «4 3 2 1» – das sind vier Variationen eines Lebens: Archibald Ferguson, von allen nur Archie genannt, wächst im Newark der fünfziger Jahre auf. «Was für ein interessanter Gedanke», sagt er sich als kleiner Junge, «sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte.»  Im Verein mit der höheren Macht einer von Paul Auster raffiniert dirigierten literarischen Vorsehung entspinnen sich nun vier unterschiedliche Versionen von Archies Leben: provinziell und bescheiden; kämpferisch, aber vom Unglück verfolgt; betroffen und besessen von den Ereignissen der Zeit; künstlerisch genial begabt und nach den Sternen greifend. Und alle vier sind vollgepackt mit Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals … «4 3 2 1» ist ein faszinierendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen. Seine großen Themen, das Streben nach Glück, die Rolle des Zufalls, Politik und Zeitgeschichte von Hiroshima bis Vietnam – alle sind hier versammelt und verdichtet in den hoffnungsvollen Lebenswegen eines jungen Mannes, der sein Glück in der Welt zu finden sucht. (Einige Kapitel mit Nummerierung, aber ohne Text in diesem Buch sind künstlerische Absicht des Autors, keine technischen Fehler.)


Autorenporträt
Paul Auster wurde 1947 in Newark, New Jersey, geboren. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaften an der Columbia University und verbrachte nach dem Studium einige Jahre in Frankreich. International bekannt wurde er mit seinen Romanen Im Land der letzten Dinge und der New-York-Trilogie. Heute lebt er in Brooklyn. Er ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder. Sein umfangreiches, vielfach preisgekröntes Werk umfasst neben zahlreichen Romanen auch Essays und Gedichte sowie Übersetzungen zeitgenössischer Lyrik.2017 krönte er sein bisheriges Lebenswerk mit dem Weltbestseller "4321".

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 1264 Seiten
·         Verlag: Rowohlt; Auflage: 4 (31. Januar 2017)
·         Sprache: Deutsch, 29,95 €
·         ISBN-10: 3498000977

Lese ich mit Tina, ein Mammutwerk von über 1200 Seiten. Werde mich dann mal wieder von der Welt abschotten müssen, damit ich dieses Buch auch ohne größere Zeitumbrüche durchbekommen kann. Mit viel Ruhe lesen. Befinde mich auch im Urlaub, habe also Zeit. Ich habe mittlerweile die ersten fünfzig Seiten gelesen, und ich finde das Buch bis jetzt recht gut. Mal schauen, ob das auch so bleibt.

Dies ist mein erstes Auster-Buch. Bin echt neugierig, da es in der Auswertung nicht wirklich besonders gut abgeschnitten hat. Sollte ich damit aber gute Erfahrungen machen, dann hege ich tatsächlich die Absicht, den Autor auch an meine Favoriten anzureihen und gestalte daraus ein Auster-Leseprojekt ... 

Da ich das Buch gemeinsam mit Christina lesen werde, bin ich natürlich auch auf ihre Eindrücke mehr als gespannt.

Meine ersten Leseeindrücke fallen recht positiv aus. Aber trotzdem ist abzuwarten, wie sich das Buch noch weiter entwickeln wird. Erst recht, wo es noch von vier unterschiedlichen Übersetzer bearbeitet wurde. Wie kann das funktionieren, so frage ich mich, wo doch jeder Schreiberling seinen eigenen Stil hat, sich auszudrücken. Das hatte ich bisher noch nicht.

Nun ist der Groschen bei mir gefallen. Es sind vier Übersetzer, weil es im Roman vier Perspektiven gibt, daher macht der Buchtitel 4321 Sinn. Ich befinde mich gerade auf der Seite 115. 

Sehr guter Schreibstil und sehr tiefgehende Gedanken, genau mein Geschmack getroffen. Morgen kommt Tina vom Saarland zu mir nach Darmstadt, und wir verbringen gemeinsam den Tag. Wir werden nicht nur aber sicher jede Menge buchige Themen zu besprechen haben.

Sonntag, 23. Juli 2017

Peter Wohlleben / Das geheime Leben der Bäume (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch fand ich sehr interessant. Allerdings kam mir des Autors Öko-Weltbild stark vermenschlicht vor. Aber ich bin auch nicht vom Fach, und weiß nicht, ob ich mir darüber überhaupt ein Urteil erlauben darf. Aber ich kann mir nun mal sehr schwer vorstellen, dass z. B. Bäume und Pflanzen miteinander kommunizieren, einerseits, aber andererseits, so schreibt der Autor, kommunizieren sie eher auf einer feinstofflichen Art, und nicht wie wir Menschen über Wort und Gestik.
In der Lebensgemeinschaft Wald sind es nicht nur Bäume, sondern auch Sträucher und Gräser, ja womöglich alle Pflanzenarten, die sich derart austauschen. Treten wir jedoch in die Feldflur, so wird das Grünzeug sehr schweigsam. Unseren Kulturpflanzen ist die Fähigkeit, sich ober- oder unterirdisch mitzuteilen, durch Züchtung größtenteils abhandengekommen. Sie sind quasi taub und stumm und werden dadurch zu einer leichten Beute für Insekten. Das ist einer der Gründe, warum die moderne Landwirtschaft so viele Spritzmittel einsetzt. Vielleicht können sich Züchter künftig ein wenig von den Wäldern abschauen und wieder mehr Wildheit und damit Geschwätzigkeit in Getreide und Kartoffeln einkreuzen. (2015, 18f)

Geschwätzigkeit unter den Pflanzen, damit habe ich irgendwie ein Problem, aber wahrscheinlich darf man das nicht so wortwörtlich verstehen. Weiter unten schreibt demnach der Autor, dass Bäume und Pflanzen über Gerüche, optisch und elektrisch kommunizieren.

Insgesamt fand ich das Buch trotzdem gut, weil ich jetzt ganz anders durch den Wald gehe, versuche die Bäume und die Pflanzen etwas bewusster zu betrachten. Aber dass eine Wiese Schmerzen empfinden würde, wenn Tiere darauf weiden und die Halme fressen, kann ich schwer annehmen. Dann stimmt etwas mit der Schöpfung nicht, wenn die Nahrung immer damit verbunden ist, einem anderen Schmerzen zu bereiten ... Dann dürften wir Menschen auch kein Gemüse mehr essen. Der Autor sagt zwar nicht, dass das verboten ist, dass man sich versündigt, aber er appelliert darauf, dass der Mensch dies mit mehr Ehrfurcht tun sollte. Ob das der Pflanze hilft, wenn wir uns bei ihr entschuldigen, dass wir sie essen, wir Menschen und Tiere, wo sie doch lieber am Leben bleiben möchte …

Die Frage, ob Bäume und Pflanzen intelligente Wesen seien, wurde anhand einer Studie bejaht. Die Intelligenz sei über verschiedene Anlagen und über Moleküle gesteuert. In der Wurzelspitze würden sich gehirnähnliche Strukturen befinden, die denen von Tieren ähneln.

Interessant fand ich zudem die Beschaffenheit von Waldhonig. Die Bienen würden Blattlausfäkalien benutzen.
Sie saugen die süßen Tropfen ein, transportieren sie zum Bienenstock, würgen sie dort wieder hervor und verarbeiten sie dann zu dunklem Waldhonig. Er ist bei Käufern sehr begehrt, obwohl er mit Blüten absolut nichts zu tun hat.

Mehr möchte ich nun nicht verraten. Ich kann das Buch auf jeden Fall an alle Naturinteressierte weiterempfehlen. Ob man nun an diese Theorien glaubt, oder nicht glaubt, etwas bleibt trotzdem hängen. Man macht sich Gedanken, und versucht die Bäume etwas anders zu betrachten und wahrzunehmen, wobei ich persönlich nie daran gezweifelt habe, dass Bäume, wenn sie gefällt werden, sie dabei schmerzempfindlich seien. Nur mit dieser übertriebenen Vermenschlichung habe ich meine Probleme.

Ich werde wohl nicht drumherum kommen, mich noch näher mit dieser Thematik zu befassen.


Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
·         Verlag: Ludwig Buchverlag (25. Mai 2015)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3453280679

 Ich möchte mich recht herzlich beim Bloggerportal München, Verlag Ludwig, für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar bedanken. 

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Die Vorstellung, dass manche Leben weniger wert sind als andere, ist die Wurzel allen Übels auf der Welt.
(Anthropologe Dr. Paul Farmer)

Gelesene Bücher 2017: 29
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86