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Sonntag, 13. August 2017

Ian McEwan / Der Zementgarten (1)



Lesen mit der Leserunde ... 


Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Und wieder ein Buch, das mich so gepackt hat, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. In der Leserunde sind die UserInnen schon fleißig am Diskutieren, und ich bin schon mit dem Buch durch. Wie so oft wurde ich von dem Lesen so gefangen genommen, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen, weshalb ich in der Leserunde nur wenig geschrieben habe. Mich hat das Buch einfach gefesselt. Ich wollte unbedingt die Entwicklungen weiterverfolgen, ich wollte unbedingt wissen, wie die Handlungen enden. Ich muss nun aufpassen, in der Leserunde nicht zu viel zu verraten.

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Papa ist tot, Mama stirbt und wird, damit keiner was merkt, einzementiert; die vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Jungen zwischen 6 und 16 – haben das große Haus in den großen Ferien für sich. Im Laufe des drückend heißen, unwirklichen Sommers kapselt sich die Gemeinschaft der Kinder mehr und mehr gegen die Außenwelt ab, und keiner merkt, dass etwas faul ist.

Dass keiner etwas merkt, wie es im Klappentext steht, stimmt nicht so ganz. Es hat sehr wohl jemand gemerkt und zwar der dreiundzwanzigjährige Derek …

Mich hat das Buch regelrecht schockiert. Auch ich habe mich dabei gefragt, wo der Autor seinen Stoff her hat??? Die Eindrücke, die die UserInnen in der Leserunde geschildert haben, kann ich sehr wohl teilen. Ich sehe es ähnlich, weshalb ich später meine Buchbesprechung mit der Leserunde verlinken werde, auch, damit ich mich nicht wiederholen muss.

Mich hat schockiert, wie sehr die Kinder mit dem Verlust der Mutter schicksalhaft alleine gelassen waren, und sie nicht wussten, wie sie mit ihrer Trauer umzugehen hatten. Mich hat schockiert, wie sie die tote Mutter beseitigt haben. Diese Bilder in meinem Kopf, als sie die Leiche der Mutter in eine Kiste gelegt haben, um sie mit Zement zuzudecken, und später dieser unangenehme Verwesungsgeruch ekelte mich ... Sind Kinder tatsächlich zu solchen Taten fähig?

Man hat aber nicht den Eindruck, dass die Kinder trauern, nach dem die Mutter beseitigt war. Wie auch; es gab keinen Raum dafür. Sie hatten sich um Dinge zu kümmern, die eigentlich die Angelegenheit von Erwachsenen gewesen wären. Jedes Kind hatte seine eigene Art, im Stillen mit dem Verlust fertigzuwerden, vor allem der sechsjährige Tom, der wieder in die Kleinkindphase regrediert ist. Oder Julie, die Älteste, die dafür sorgte, die Geschwister zusammenzuhalten. Man stellt sich die Frage, wie lange lassen sich solche traumatischen Erlebnisse in dieser Familie verdrängen? Wie lange lassen sich Familiengeheimnisse wie diese vor der Gesellschaft geheim halten?

Es ist keine gewöhnliche Familie mit allen möglichen seelischen und emotionalen Standards.

Es ist eine sehr einsame Familie, die uns der Autor hier aufzeigt. In dieser Familie finden kaum Kontakte zu anderen Menschen statt. Auch gab es keine Verwandte, da sowohl der Vater als auch die Mutter Einzelkinder waren. Die Eltern von beiden müssen schon tot sein.

Freundschaften wurden auch keine geschlossen, und so brachten auch die Kinder niemals FreundInnen mit nach Hause. Diese Einsamkeit zeichnet sich noch deutlicher ab, als nun auch die Mutter stirbt. Über Probleme zu reden war hier nicht üblich.

Und als die Mutter stirbt, mit diesem Zeitpunkt hört die Kindheit von Jack, Julie und Suse auf. Tom ist mit seinen sechs Jahren noch zu klein, doch seine Art, den Mutterverlust zu verarbeiten, liegt, wie ich oben schon erwähnt habe, in der Regression, als  er in die Kleinkindphase flüchtet, um von seiner großen Schwester Julie aufgefangen zu werden …

Von dem Vater hätte ich gerne mehr gewusst. Er schien bei seinen Kindern nicht wirklich beliebt zu sein, während die Mutter viel wärmer wirkte, sich aber dem Vater untergeordnet hatte. Wenn er den Kindern Unrecht tat, dann stellte sich die Mutter nur hinter seinem Rücken auf die Seite ihrer Kinder. Es lässt mich vermuten, dass der Vater zu Gewalt neigte.

Mit welcher Idee die Kinder die tote Mutter letztendlich aus dem Wohnbereich weggeschafft hatten, machte mich sprachlos. Ich habe mit ihnen gebangt, wenn mich auch diese Szene erschauern ließ, ich aber die Ängste sehr wohl nachvollziehen konnte, unter welchem Druck die Kinder standen, damit die Geschwister nicht auseinandergerissen werden würden, für den Fall, dass die Öffentlichkeit sich einschalten würde. Schließlich war es die Mutter, die, als sie schon auf dem Sterbebett lag, mit Jack redete, dass er zusammen mit Julie die Verantwortung für die Geschwister und das Haus übernehmen solle. Sie müsse für eine längere Zeit fort. Jack bekam Angst, und fragte, wohin sie gehe, so antwortete sie, dass sie ins Krankenhaus gehen würde. Zwei Tage später lag die Mutter tot im Bett. Ich frage mich als Leserin, ob die Mutter nicht in der Lage war, die Kinder auf ihren baldigen Tod vorzubereiten? Wahrscheinlich nicht, da es in diesem Haus nicht üblich war, über Probleme zu reden. Doch Jack wunderte sich selbst, weshalb die Mutter nun doch nicht in die Klinik kam und stattdessen stirbt. Aber wer hätte denn den Arzt rufen können? Nur die Kinder. Doch die Mutter lehnte, als die Krankheit ausgebrochen war, jegliche Ärzte ab, da ihr scheinbar keine Heilung attestiert wurde, und so behielt sie ihre Diagnose für sich. Sie vertröstete stattdessen die Kinder, dass die Ärzte zu inkompetent wären, sie zu behandeln. Sie würde schon wieder gesund werden, es sei nur eine vorübergehende Schwäche. Die Kinder glaubten ihr.

Man weiß bis zum Schluss nicht, an welcher unheilbaren Erkrankung die Mutter litt … Auch sie bemühte sich bis zum Schluss, keine Schwäche zu zeigen.

Viele Fragen bleiben am Schluss offen. Es gibt allerdings kleine Andeutungen über Derek, der am Ende schockiert das Haus dieser Kinder verlässt, als er Zeuge eines außergewöhnlichen sexuellen Aktes von Seiten Julie wurde. Wutentbrannt rennt er in den Keller, haut mit einem Werkzeug auf die Zementkiste, in der die Mutter einzementiert liegt, anschließend verlässt er das Haus, steigt in seinen Wagen und braust los. Es lässt vermuten, dass er sich rächen wird, und sich sehr wohl an die verschiedenen Behörden wenden wird. Das wäre schließlich das Aus für diese Geschwisterkinder. 


Mein Fazit?

Es gibt noch viele andere Themen in dem Buch, über die ich mich noch nicht geäußert habe, da in der Leserunde schon darüber geschrieben wurde. Themen, die ein wenig peinlich erscheinen ... Ein supergut geschriebenes Buch. Im Anhang ist eine Bücherliste des Autors abgedruckt, die ich unbedingt abzuarbeiten beabsichtige. Der Autor hat so eine klare Sprache, und die Themen fallen immer aus der Rolle, weshalb es mich reizt, noch mehr von dem Autor zu lesen. Das nächste Buch, das ich von McEwan lesen werde, ist Abbitte

Weiteres ist hier aus der Leserunde entnehmen.

Und hier meine Beurteilung:

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zwölf von zwölf Punkten.

Weitere Informationen zu dem Buch

Taschenbuch 
208 Seiten 
erschienen am 02. Januar 1999 

978-3-257-20648-7 
€ (D) 11.00 / sFr 15.00* / € (A) 11.40 
* unverb. Preisempfehlung 

Und hier geht es auch die Verlagsseite von Diogenes.
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Gelesene Bücher 2017: 32
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Mittwoch, 9. August 2017

Michael Morpurgo / Nur Meer und Himmel

Die Geschichte meines Großvaters

Lesen mit Anne


Klappentext

Bestsellerautor Michael Morpurgo erzählt von der langsamen Annäherung eines Kriegsversehrten und seines Enkelsohns

Seit Michael denken kann, fürchtet er sich vor den Besuchen seines Großvaters. Nicht, weil dem alten Mann mehrere Finger fehlen und sein Gesicht von Verbrennungen entstellt ist, sondern weil seine Eltern in seiner Gegenwart so angespannt sind. Was dem Großvater zugestoßen ist – darüber spricht niemand. Nur Michael hört nicht auf, sich diese Frage zu stellen, und eines Tages bricht der Großvater das Schweigen.

Michael Morpurgo ist ein brillanter Erzähler – zusammen mit den farbigen Illustrationen von Gemma O’Callaghan brennt diese Geschichte lichterloh, bis ganz am Ende so etwas wie Frieden einkehrt.


Autorenporträt

Michael Morpurgo wurde 1943 in London geboren. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, sein Roman ›Gefährten‹ wurde verfilmt und lief 2012 in den deutschen Kinos. Morpurgo hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau in Devon, England.

Das Buch hat 2015 einen Literaturpreis erhalten.
Erworben habe ich diese interessante Jugendlektüre wiedermal von Anne-Marit Strandborg, die ein doppeltes Exemplar davon hatte.

Buchbesprechung

Da dies ja nun ein recht dünnes Büchelchen ist, verbinde ich hier auf dieser Seite die Buchvorstellung mit der Buchbesprechung. 
Mir hat das Buch recht gut gefallen, und man kann es allemal jüngere LeserInnen zum Lesen geben. Die Zielgruppe geht bei zwölf Jahren los, und nach oben sind auch keine Grenzen gesetzt. Auch als Erwachsene habe ich die kleine Geschichte mit großem Interesse gelesen. Ein Bilderbuch mit einer recht sensiblen Thematik. Mir waren auch die Figuren recht sympathisch, vor allem der kleine Michael, der gerne Dinge von seinem Großvater wissen möchte, worin die Erwachsenen gerne die Augen verschließen. Seelische Traumatisierungen ausgelöst von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Michael bekommt von seiner Mutter die Anweisung, den Großvater nicht anzustarren und ihm auch keine peinlichen Fragen zu stellen. Doch gerade Michael ist es, der sich für das erlittene Schicksal seines Großvaters interessiert. Als er eines Tages bei seinem Opa auf der Insel seine Ferien zubringen darf, finden die beiden auch ohne viel Worte zueinander. Bis schließlich der Großvater sich seinem Enkel öffnet, und sich ihm anvertraut und aus der Kriegszeit zu erzählen beginnt, und wie es dazu kam, dass der Großvater Körperteile verloren hatte. Dabei erfährt der Junge noch mehr, Trauriges über seine Großmutter und seiner eigenen Mutter ... Weiteres ist dem Buch zu entnehmen. 

Das Buch erhält von mir zwölf von zwölf Punkten und es ist auf jeden Fall jungen LeserInnen weiterzuempfehlen. 


Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
·         Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (19. Februar 2015)
·         Sprache: Deutsch, 14.99 €
·         ISBN-10: 3737352100



Dienstag, 8. August 2017

Paul Auster / 4321 (1)

Lesen mit Tina

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Was für ein prächtiges Buch. Welch eine intellektuelle Herausforderung. Ein sehr reicher Autor mit so viel Kompetenzen, den ich mir nun tatsächlich zu meinen Favoriten anreihen werde, siehe Label rechte Seite dieses Blogs. Das bedeutet, wir, Tina und ich, möchten noch weitere Bücher von Auster lesen. Das war Tinas zweites Buch, und für mich mein erstes. Wir haben für das Buch zwölf Tage benötigt. Tina war sogar noch einen Tag vor mir fertig. Wenn nicht noch andere, diesmal gesellschaftliche und familiäre Aktivitäten, dazwischengekommen wären, hätten wir es noch früher geschafft. Damit möchte ich eigentlich nur ausdrücken, dass der Autor uns mit seinem grandiosen Werk gepackt hat, und uns in einen Sog gerissen hat.

Ich kann jedem/r Leser*in empfehlen, das Buch nicht alleine zu lesen. Sucht euch einen Partner*in und lest zusammen, denn der Autor fordert gewaltig, und dies nicht nur intellektuell.

Ich bin eigentlich jemand, die Klappentexte nur oberflächlich liest, aber hier, in diesem Buch bin ich vorsichtig gewesen, und habe mir den Klappentext genau vorgenommen, in dem man ja schon ein wenig vorbereitet wird, was einen erwarten kann. Ich wollte es nicht riskieren, das Buch einfach ohne jegliche Vorkenntnisse zu starten. Und Tina auch nicht, nachdem wir auf einige Kritiken gestoßen sind, die von dem Inhalt nicht sehr angetan waren. Ich verweise später auf Tinas Buchbesprechung, denn dann muss ich nicht alles nochmals schreiben.

Ich hatte das Buch am letzten Sonntag durch, danach hatte ich eine richtige Flaute, sodass ich erstmal eine Pause einlegen musste.

Und nun scheibe ich ein paar Zeilen über meine Erlebnisse. Das Werk verlangt absolute Kopfakrobatik, indem man immer wieder mit neuen Versionen konfrontiert wurde, die aber als Ganzes nicht abgeschlossen waren. Der Buchtitel 4321 ist demnach gut getroffen. Denn man bekommt es mit vier unterschiedlichen Varianten der Geschichte zu tun. Es geht immer um dieselben Protagonist*innen, aber mit unterschiedlichen Perspektiven und Ausgängen.

Dennoch hat uns das Buch sehr gut gefallen. Auster hat es super gut drauf, menschliche Psychen auf vielfältige Art und Weise zu porträtieren. Er kennt sich aus, er weiß, wovon er schreibt. Im Stillen habe ich mich gefragt, ob der junge Protagonist Archie Ferguson Auster selber ist? Nun ist Tina mir ein wenig zuvorgekommen und hat recherchiert, und tatsächlich konnten autobiografische Züge entnommen werden. Wer so viel weiß, wie Auster das tut, dann weiß er auch, wovon er schreibt. Er kennt sich aus mit seinem Stoff.

Frei von Klischees, frei von Vorurteilen und Stereotypen, Auster ist ein Autor, der aus meiner Sicht auch schreibt, um die Welt mit seinem Buch ein wenig besser zu machen, indem er uns zum Nachdenken bewegt. Die letzten zweihundert Seiten behandelt er recht intensiv die politischen Problematiken Amerikas, die in den vorderen Kapiteln eher kurz angerissen wurden …

Und was seine literarische Sprache betrifft, sie ist sehr klar und aber auch sehr verspielt. Und Archie Ferguson, der Held dieser Geschichten, ist uns auch richtig ans Herz gewachsen. Viele Szenen werden in mir noch lange lebendig bleiben.

Doch was das Inhaltliche angeht, so habe ich selber einen Fehler gemacht; ich habe mir während des Lesens keine Notizen gemacht, um dadurch die unterschiedlichen Perspektiven besser auseinanderhalten zu können. Die ersten beiden Perspektiven konnte ich noch gut im Kopf trennen, aber plötzlich ging das nicht mehr. Als ich dies gemerkt hatte, war es schon zu spät. Mich haben die vielen Geschichten jeder einzelnen Figur dermaßen gepackt, dass ich den Lesefluss nicht unterbrechen wollte. Anders Tina, sie hatte sich während des Lesens schon gleich eine Struktur aufgezeichnet. Ich dagegen hatte mir einen Stammbaum aufgemalt, um die verschiedenen Generationen erst aus zwei Familien, dann später kamen noch andere Familien hinzu, zu divergieren. Aber mehr hatte ich nicht notiert. 

Ich könnte mir vorstellen, das Buch ein zweites Mal zu lesen. 

Und hier meine Beurteilung:

2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zwölf von zwölf Punkten.

Und hier geht es zu Tinas Buchbesprechung.



Weitere Informationen zu dem Buch

 Gebundene Ausgabe: 1264 Seiten
·         Verlag: Rowohlt; Auflage: 4 (31. Januar 2017)
·         Sprache: Deutsch, 29,95 €
·         ISBN-10: 3498000977

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Gelesene Bücher 2017: 30
Gelesene Bücher 2016: 72
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Sonntag, 23. Juli 2017

Peter Wohlleben / Das geheime Leben der Bäume (1)

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Das Buch fand ich sehr interessant. Allerdings kam mir des Autors Öko-Weltbild stark vermenschlicht vor. Aber ich bin auch nicht vom Fach, und weiß nicht, ob ich mir darüber überhaupt ein Urteil erlauben darf. Aber ich kann mir nun mal sehr schwer vorstellen, dass z. B. Bäume und Pflanzen miteinander kommunizieren, einerseits, aber andererseits, so schreibt der Autor, kommunizieren sie eher auf einer feinstofflichen Art, und nicht wie wir Menschen über Wort und Gestik.
In der Lebensgemeinschaft Wald sind es nicht nur Bäume, sondern auch Sträucher und Gräser, ja womöglich alle Pflanzenarten, die sich derart austauschen. Treten wir jedoch in die Feldflur, so wird das Grünzeug sehr schweigsam. Unseren Kulturpflanzen ist die Fähigkeit, sich ober- oder unterirdisch mitzuteilen, durch Züchtung größtenteils abhandengekommen. Sie sind quasi taub und stumm und werden dadurch zu einer leichten Beute für Insekten. Das ist einer der Gründe, warum die moderne Landwirtschaft so viele Spritzmittel einsetzt. Vielleicht können sich Züchter künftig ein wenig von den Wäldern abschauen und wieder mehr Wildheit und damit Geschwätzigkeit in Getreide und Kartoffeln einkreuzen. (2015, 18f)

Geschwätzigkeit unter den Pflanzen, damit habe ich irgendwie ein Problem, aber wahrscheinlich darf man das nicht so wortwörtlich verstehen. Weiter unten schreibt demnach der Autor, dass Bäume und Pflanzen über Gerüche, optisch und elektrisch kommunizieren.

Insgesamt fand ich das Buch trotzdem gut, weil ich jetzt ganz anders durch den Wald gehe, versuche die Bäume und die Pflanzen etwas bewusster zu betrachten. Aber dass eine Wiese Schmerzen empfinden würde, wenn Tiere darauf weiden und die Halme fressen, kann ich schwer annehmen. Dann stimmt etwas mit der Schöpfung nicht, wenn die Nahrung immer damit verbunden ist, einem anderen Schmerzen zu bereiten ... Dann dürften wir Menschen auch kein Gemüse mehr essen. Der Autor sagt zwar nicht, dass das verboten ist, dass man sich versündigt, aber er appelliert darauf, dass der Mensch dies mit mehr Ehrfurcht tun sollte. Ob das der Pflanze hilft, wenn wir uns bei ihr entschuldigen, dass wir sie essen, wir Menschen und Tiere, wo sie doch lieber am Leben bleiben möchte …

Die Frage, ob Bäume und Pflanzen intelligente Wesen seien, wurde anhand einer Studie bejaht. Die Intelligenz sei über verschiedene Anlagen und über Moleküle gesteuert. In der Wurzelspitze würden sich gehirnähnliche Strukturen befinden, die denen von Tieren ähneln.

Interessant fand ich zudem die Beschaffenheit von Waldhonig. Die Bienen würden Blattlausfäkalien benutzen.
Sie saugen die süßen Tropfen ein, transportieren sie zum Bienenstock, würgen sie dort wieder hervor und verarbeiten sie dann zu dunklem Waldhonig. Er ist bei Käufern sehr begehrt, obwohl er mit Blüten absolut nichts zu tun hat.

Mehr möchte ich nun nicht verraten. Ich kann das Buch auf jeden Fall an alle Naturinteressierte weiterempfehlen. Ob man nun an diese Theorien glaubt, oder nicht glaubt, etwas bleibt trotzdem hängen. Man macht sich Gedanken, und versucht die Bäume etwas anders zu betrachten und wahrzunehmen, wobei ich persönlich nie daran gezweifelt habe, dass Bäume, wenn sie gefällt werden, sie dabei schmerzempfindlich seien. Nur mit dieser übertriebenen Vermenschlichung habe ich meine Probleme.

Ich werde wohl nicht drumherum kommen, mich noch näher mit dieser Thematik zu befassen.


Weitere Informationen zu dem Buch

·         Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
·         Verlag: Ludwig Buchverlag (25. Mai 2015)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3453280679

 Ich möchte mich recht herzlich beim Bloggerportal München, Verlag Ludwig, für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar bedanken. 

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Die Vorstellung, dass manche Leben weniger wert sind als andere, ist die Wurzel allen Übels auf der Welt.
(Anthropologe Dr. Paul Farmer)

Gelesene Bücher 2017: 29
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86



Sonntag, 2. Juli 2017

Erik Neutsch / Spur der Steine



Lesen mit Anne

Diesmal lesen Anne und ich ein Buch, das nicht auf der Bestsellerbücherliste steht. Aber manchmal ist es gut, mal nach solch einem Buch zu greifen. Einen DDR-Klassiker, der durch Anne zu mir eingezogen ist. Anne hatte davon zwei Exemplare.

Auf den ersten Seiten wurde ich ein wenig ungehalten. Die Themen schienen für mich erst zu männerlastig zu sein, aber mittlerweile gefällt es mir sehr gut. Der Schreibstil ist genial. Spitzfindig, fantasievoll und sehr gesellschaftskritisch. Ich befinde mich derzeit auf der Seite 150.  

Ich werde die Buchbesprechung später hier in der Buchvorstellung anreihen. Es ist ein sehr dickes Buch, für das ich lange brauchen werde. Habe dafür vor, die Buchbesprechung nicht so sehr in die Länge zu ziehen. Werde lediglich die Diskussionsergebnisse zwischen Anne und mir festhalten.

Klappentext
In dem großangelegten Roman wird ein eindrucksvolles Bild von der Aufbruchzeit im Osten Deutschlands entworfen. Erzählt wird die Geschichte eines Rebellen, die des Zimmermanns Hannes Balla, der wie ein Glückssucher durchs Land zieht und alles an sich bindet, was ihm begegnet: Geld, Frauen, Macht – und der alles abwehrt, was sein Leben stören könnte: Recht und Ordnung und selbst die großen Gefühle wie eine aufkeimende Liebe.Balla wird zum Urtyp von Menschen im Aufbruch, die vor allem den Herrschenden nicht geheuer sind.

Autorenporträt
Erik Neutsch, geboren am 21. Juni 1931 in Schönebeck an der Elbe als Sohn eines Arbeiters, studierte von 1950-1953 Gesellschaftswissenschaften, Philosophie und Publizistik. 1953-1960 Journalist bei der »Freiheit« in Halle. Seit 1960 freischaffender Schriftsteller. 1974-1990 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Weitere Werke: »Bitterfelder Geschichten« (1961), »Auf der Suche nach Gatt« (1973), »Am Fluß« (1974), »Frühling mit Gewalt« (1978), »Wenn Feuer verlöschen« (1985), »Nahe der Grenze« (1987), »Totschlag« (1994), »Forster in Paris« (1994), »Verdämmerung« (2003).

Weitere Informationen zu dem Buch

Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) , 1966
950 Seiten.

Buchbesprechung, 14.07.2017

Für das Buch habe ich zehn Tage gebraucht. Eigentlich hebe ich mir solche dicken Bücher immer für meine Urlaubszeit auf, aber diesmal musste ich eine Ausnahme machen, da ich mehr dicke Bücher besitze, als ich Urlaub habe. Allerdings ist es dem wahnsinnig guten Schreibstil des Autors zu verdanken, dass ich gut durchhalten konnte. 
Mit Anne, die morgen mit dem Buch durch sein wird, habe ich schon mehrmals telefoniert, um über das Buch zu sprechen. Eigentlich bin ich, was die gesellschaftliche und politische Lebensweisen der ehemaligen DDR betreffen, nicht so bewandert, wie Anne es ist, die aus der ehemaligen DDR kommt und sie somit einen ganz anderen Background mitbringt als ich es tue. Auch ist sie dadurch anders sensibilisiert als ich.  

Die Themen bleiben für mich weiterhin ein wenig männerlastig, aber die zusätzliche Liebesgeschichte peppt den Roman noch etwas auf. Wobei ich Liebesgeschichten nicht so gerne lese, aber hier war sie mir eine willkommene Abwechslung. Selbst die Liebe wurde in der ehemaligen DDR anders gelebt als bei uns im Westen. Die Vorgaben waren hier recht rigide und nicht so frei wie im Westen. Wobei es auch im Westen damals unüblich war, ein uneheliches Kind auf die Welt zu bringen, aber man wurde deswegen gesellschaftlich nicht angeprangert. Leider verrät der Autor uns nicht, zu welcher Zeit sich die Handlungen abspielen. 

Anne und ich wollten uns dann über die Kommentar-Funktion hier im Blog austauschen, da sie selbst keinen Blog mehr besitzt. Leider hat sie aus persönlichen Gründen, die für mich nachvollziehbar sind, ihren Literaturblog geschlossen, sodass eine Verlinkung zwischen uns beiden nicht mehr möglich ist, weshalb nun unser Austausch über die Kommentarfunktion getätigt wird. 

Meine Bewertung zu dem Buch? 


2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

12 von zwölf Punkten.
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Gelesene Bücher 2017: 28
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Freitag, 30. Juni 2017

Steve Jenkins und Derek Walter mit Caprice Crane / Esther, das Wunderschwein (1)



Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Was für ein schönes Buch. Ich habe es mit großem Interesse gelesen. Wenn jemand wissen möchte, was ich unter einem Paradies verstehe, dann ist es diese Welt, die in dem Buch beschrieben wird. Eine Welt, in der Menschen und Tiere zusammenleben, und niemand sterben oder gequält werden muss, nur damit ein anderes Leben leben darf, wobei auf unserem Planeten Erde es der Mensch ist, der über Leben und Tod anderer Lebewesen entscheidet.

Ich habe das Buch gestern ausgelesen und es geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Viele Szenen arbeiten noch in mir. So vielen Menschen habe ich von dem Buch erzählt, und alle wollen es von mir ausgeliehen bekommen. Ich habe dabei aber nur ein Problem. Ich kann mich von dem Buch überhaupt nicht mehr trennen, und so habe ich vor, ein oder zwei Exemplare im Buchhandel zu erwerben, die ich dann ausleihen werde.

Ich habe schon zwei Katzen, und hatte immer auch mit dem Gedanken gespielt, mir ein kleines Zwergschweinchen anzuschaffen. Aber von diesem Gedanken bin ich nun wieder abgekommen, da es so etwas wie Zwergschweine gar nicht gibt, und ich nicht die Möglichkeit habe, es diesen beiden Tierschutzaktivisten Steve und Derek gleichzutun, obwohl die beiden es mit dem Schweinchen auch nicht leicht hatten. Ganz im Gegenteil ... Selbst die Partnerschaft der beiden wurde durch das Schweinchen auf eine harte Probe gestellt ...

Zur Erinnerung gebe ich erneut den Klappentext rein:
Als eine Bekannte den Tierfreund Steve Jenkins fragte, ob er nicht ein Minischwein adoptieren wolle, wusste Steve, dass sein Lebensgefährte Derek nicht gerade begeistert sein würde. Dennoch willigte er ein, sich des süßen kleinen Ferkels anzunehmen. Eine Entscheidung, die Dereks und sein Leben für immer verändern sollte. Denn rein gar nichts an Esther war »Mini« – in drei Jahren wurde sie zu einem ausgewachsenen Hausschwein von 335 Kilo. Doch trotz aller Schwierigkeiten und einer Menge buchstäblicher »Schweinereien« liebten die beiden Esther: nur wie sollte es in ihrer Stadtwohnung mitten in Toronto mit der tierischen WG weitergehen? Wieder fassten sie einen weitreichenden Entschluss: per Crowdfunding finanzierten sie ein Gnadenhof-Projekt für ehemalige Nutztiere. Heute leben sie mit Esther und vielen anderen tierischen Freunden auf dem Land in Ontario im Happily Ever Esther Farm Sanctuary.

Dieses sogenannte Minischwein hat es schließlich mit der Zeit auf satte 300 Kilo auf die Waage gebracht. Was die Züchter*innen anpreisen, ist regelrecht verantwortungslos, da viele Ferkelchen wegen der zunehmenden Größe nicht bei dem Menschen bleiben können, der es ursprünglich aufgenommen hatte. Steve stellt sich die Frage:
Wo wäre Esther wohl gelandet, wenn sie nicht zu uns gekommen wäre? In einem käfigartigen Kastenstand in einem Maststall. Ich frage mich manchmal, was aus dem Rest wohl geworden sein mag. Woher soll man wissen, ob die Packung Frühstücksspeck im Laden nicht von Esthers Angehörigen stammt? Vielleicht aus einem Wurf ihrer Schwester? Und falls nicht, ist es doch auf jeden Fall das Fleisch von geschlachteten Schweinen, intelligenten Schweinen mit einer ganz eigenen Persönlichkeit, die fähig waren, Liebe und Zuneigung auszudrücken – so wie Esther. (2016,72)

Manche Minischweine landen im Tierheim und werden dort geschlachtet, manche landen gleich im Schlachthaus. Esther hatte Glück, sie kam zu Steve und Derek, wo sie leben und sich entfalten durfte.

Besonders Steve fühlt sich ganz stark zu Tieren hingezogen, der total unvorbereitet dieses Schweinchen aufgenommen hat, das er nicht mehr hergeben konnte, selbst als Esther schon ausgewachsen war, und sie viel Raum benötigte. Aber dieses Schwein hat trotz der großen Anforderungen Steves und seines Partners Leben total verändert. Positiv versteht sich.

Das Schweinchen Esther entpuppte sich als familientauglich. Es war anhänglich und wahnsinnig intelligent. Es entwickelte eigene Charakterzüge, sodass Steve und Derek gelernt haben, Esther als eine Persönlichkeit zu betrachten. Es war nicht irgendein Schwein, irgendein Tier, nein, sie wurde mit der Zeit als eine richtige Persönlichkeit angesehen.

Die beiden besaßen, noch bevor Esther bei ihnen eingezogen ist, schon zwei Katzen und zwei Hunde und Esther unterschied sich von ihrem Charakter nicht sonderlich von denen der Hunde und der Katzen.

Steve und Derek waren, was die Ernährung betrifft, ganz gewöhnliche Menschen. Sie konsumierten Fleisch, ohne sich dabei etwas zu denken. Bis an dem Tag, an dem Derek zum Frühstück Speck auf dem Herd briet. Den Speckgeruch, den sie sonst so sehr geliebt hatten, haben beide plötzlich als unangenehm empfunden. Plötzlich machte es Klick im Kopf, der Groschen ist nun bei beiden halbwegs gefallen:
Ich würde nie Hundefleisch essen. Und ab jetzt auch keinen Frühstücksspeck.(…) Ich trat zu Derek an den Herd. >>Ich glaube nicht, dass ich das essen kann<<, sagte ich, um mich bemerkbar zu machen. Er bat mich, es zu wiederholen. Also tat ich es. >>Ich kann das nicht essen. Ich esse diesen Speck nicht. Es graut mir davor. <<Seine Erwiderung überraschte mich: >>Ich auch nicht, glaube ich. <<Es war echt komisch. Er fragte mich nicht einmal nach dem Grund. Als hätte er genau das Gleiche gedacht. (65)

Steve und Derek waren nun nicht gleich Veganer geworden, aber sie befanden sich zumindest auf dem Weg dorthin, es ist ein Prozess, auch das Fleisch anderer Tiere nicht weiter essen zu wollen.
(…) Wenn wir fortan Frühstücksspeck sahen, sahen wir Esther, aber wenn wir einen Burger vor uns hatten, sahen wir darin weiterhin einen Burger. Mit einem Mal spielte Esther in einer ganz anderen Liga - bloß hatten ihre übrigen >>Freunde vom Bauernhof<< den Sprung in unsere Köpfe noch nicht geschafft. Es war ein treffendes Beispiel dafür, wie man vor etwas die Augen verschließt und eine Mauer um sich herumzieht, (ebd).

Bevor Esther zu ihnen kam, hatten sie für ihren Fleischkonsum immer eine passende Rechtfertigung. Doch nun, seit Esther bei ihnen lebt, passen die Rechtfertigungen nicht mehr, und so fingen sie an, Bewusstsein auch für andere (Nutz)-Tiere zu entwickeln:
Dann wiederum fand ich mich in der Fleischabteilung des Supermarkts wieder und litt unter einem würgenden Gefühl des Unwohlseins, weil auf einmal alles in den Truhen ein Gesicht hatte. Konnte ein Steak oder eine Speckschwarte nicht mehr nur als ein Produkt betrachten. Jedes einzelne Kotelett im Laden hätte Esther sein können, und dabei kam es mir richtig hoch. (73)

Hier haben Steve und Derek den Prozess abgeschlossen, indem es ihnen gelungen ist, ihr Bewusstsein auf alle Tiere zu lenken und dazu hatte ihnen Esther verholfen. Sie aßen partout kein Fleisch mehr.

Ich fand diese Entwicklung so schön, dass ich sie hier auf meiner Besprechung unbedingt festhalten möchte, damit auch andere Leser*innen daran teilhaben können. Ich selbst besitze zwar kein Schwein als Haustier, aber mir geht es genauso wie Steve, in jeder Fleischverpackung sehe ich das Gesicht des geschlachteten Tieres.


Mein Fazit?

Steve und Derek mussten sich durch Esther ein neues Zuhause suchen, da das alte von der Quadratmeterzahl nicht mehr ausgereicht hat. Mit Hilfe von Spendern konnten sie sich eine Farm aneignen und daraus einen Gnadenhof machen. Sie adoptierten noch andere Tiere, die gequält, ausgesetzt oder geschlachtet hätten werden sollen.

Das Buch ist so liebevoll geschrieben, und die Autoren prangern keine Fleischesser*innen an, weil sie selbst die Erfahrung gemacht haben, dass die Ernährungsumstellung einen mehr oder weniger längeren Prozess erfordert. Manche Tierschutzaktivsten gehen sehr aggressiv mit Fleischkonsumenten um. Derek und Steve sind da ganz anders. Sie sind liebevoll zu Mensch und zu Tier. Außerdem haben sie durch Esther so viel bei anderen bewirkt. Auf der Facebookseite, eine Esther-Seite, bekamen sie so viele Fans, alle lieben sie Esther, alle haben sie in ihr Herz geschlossen, sodass viele darunter waren, die durch sie den Fleischkonsum ganz von alleine eingestellt haben. Und dies ohne Belehrungen, ohne gehobenen Zeigefinger. Einfach nur aus Liebe zum Tier. Steve und Derek haben es ihren Follower einfach vorgelebt. 

Aber ich verstehe auch die aggressiven Tierschutzaktivist*innen. Täglich diese qualvollen Bilder vor Augen zu haben, wie Tiere für den menschlichen Gaumen gequält und geschlachtet werden, oder wenn die Tiere in der Pelztierfarm  bei lebendigem Leib gehäutet werden .. . Diese Bilder und dieses Wissen darüber verursacht bei Gegner*innen einen enormen Schmerz in der Brust. Diese furchtbaren Bilder bekommt man einfach nicht mehr aus dem Kopf, selbst wenn man sich noch so sehr darum bemüht, sie wieder zu vergessen. Aber wegschauen geht auch nicht, sonst kann man nichts verändern, und die Tiere leiden unendlich weiter. 

Habe soeben in den Nachrichten vernommen, dass die Vegetarier*innen in Deutschland zwar zugenommen hätten, gleichzeitig aber auch der Fleischkonsum. Die industrielle Massentierhaltung würde dadurch immer größer werden. Wie furchtbar traurig. 

Ich überlege, ob ich dieses Buch in meiner Literaturgruppe vorlesen werde, um noch mehr Menschen diese Liebe zum Tier nahe zu bringen. 

Tiere sind wie Menschen, sie müssen bei jemanden sein, der sie liebt.


2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

12 von 12 Punkten.


Weitere Informationen zu dem Buch

Ich möchte mich beim btb-Verlag recht herzlich für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar bedanken.  

 ·         Broschiert: 256 Seiten
·         Verlag: btb Verlag (12. September 2016)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3442714885

Und hier geht es auf die Verlagsseite von btb, Random House München.

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Die Vorstellung, dass manche Leben weniger wert sind als andere, ist die Wurzel allen Übels auf der Welt.
(Anthropologe Dr. Paul Farmer, zitiert von Steve und Derek)

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