Posts mit dem Label Charles Dickens werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Charles Dickens werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 9. Januar 2018

Charles Dickens / Klein Dorrit (1)

Band 1

Klein Dorrit Band 1
Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Diesen Dickens habe ich nicht so stark empfunden, wie ich es von den anderen gewöhnt bin. Ich habe ihn nicht so facettenreich erlebt ... Ich werde die vorliegende Besprechung kurzhalten, da die Geschichte schnell erzählt ist. 

 Zur Erinnerung gebe ich erst den Klappentext rein:
Band 1 des vielleicht schönsten Romans von Charles Dickens: Klein Dorrit lebt mit ihrer Familie im Schuldgefängnis. Anders als ihre Geschwister beklagt das Mädchen sein Schicksal nicht, sondern hilft der Familie mit Näharbeiten über die Runden. Dabei macht sie die Bekanntschaft mit dem gutherzigen Arthur Clennam, der ein unbeanspruchtes Erbe der Familie entdeckt. Doch ruinöse Geschäfte eines Unternehmers treiben sowohl die Dorrits als auch Arthur zurück in die Armut …

Ob dies das beste Buch von Charles Dickens ist, ist Geschmackssache. Und das Bekannteste, wie der Spiegel schreibt? Auch nicht, siehe den Link zum Spiegel am Ende der Besprechung. Zumindest nicht für mich und für andere, die ich kenne. Ich habe im Nachhinein herausgefunden, dass es zu diesem Roman eine Verfilmung gibt, auf die ich neugierig geworden bin. Ich werde mir den Film anschaffen, sobald ich den zweiten Band gelesen habe. Am Ende der Buchbesprechung habe ich aus Youtube einen kleinen Filmausschnitt eingefügt. 

Die Sprache ist stark veraltet, was die Grammatik und die Rechtschreibung betrifft. Und es befinden sich einige Schreib- oder Druckfehler vonseiten des Übersetzers, weswegen ich hier einen Punktabzug erteilt habe. Mich haben diese Fehler sehr verunsichert, sodass ich mehrfach im Duden nachschlagen musste. Trotzdem würde ich von einer Modernisierung der Sprache abraten, weil es wunderbar ist, sich in diese Dickenszeit hineinversetzt zu haben. Ich habe später nicht mehr auf die Fehler geachtet, weil ich mich in diesem Milieu, in dem Dickens gelebt hat, wohlgefühlt habe. Alles kann gewöhnungsbedürftig sein, auch fehlerhafte Texte zu lesen. Es wäre gut, den Roman auf Grammatik- und Rechtschreibfehler, die nichts mit der veralteten Sprache zu tun haben, zu überprüfen, ohne den damaligen Schreibstil aufzugeben.  

Mich wundert, dass der Verlag keinen Übersetzer angegeben hat, und ich frage mich, ob evtl. ein digitales Sprachprogramm die Übersetzung übernommen hat?

Ich wurde neugierig und habe mir den Band von anderen Verlegern angeschaut, und es ist überall dieselbe Übersetzung abgedruckt.

Die Illustrationen finde ich schön. Sie passen gut ins 19. Jahrhundert.

Und nun zum Inhalt:

Zwischen 1855 und 1857 hat Dickens seinen Roman Little Dorrit in einer
Tageszeitung in einem Seriendruck in Auftrag gegeben.

Die Handlung spielt in London Mitte des 19. Jahrhunderts.

Unsere Heldin dieser Geschichte ist die 21-jährige Amy Dorrit, Klein Dorrit genannt, die in einem Gefängnis zur Welt gekommen ist, und sie es dadurch als ihre Heimat bezeichnet. Sie ist Halbwaise, ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Amy hat noch zwei ältere Geschwister namens Fanny und Tip. Der Vater, William Dorrit, ist hoch verschuldet und aus diesem Grund ist er lebenslänglich in einem Schuldengefängnis eingesperrt. Amy wurde von dem Gefängniswärter, genannt Schließer, aufgezogen, da er eine besondere Sympathie für das Kind hat aufbringen können. 

Damals war es üblich, die übrige Familie im Gefängnis unterzubringen, mit dem Unterschied, dass die nicht verurteilten Familienmitglieder Ausgang hatten. Sie konnten ein- und ausgehen. Lediglich die Sperrstunden mussten eingehalten werden. Man stellt sich ein Kind vor, das in dieser dunklen Welt geboren wird und dort aufwächst, bis es alt genug ist, sich selbstständig aufzumachen, das Gefängnis und dessen Mauern temporär alleine zu verlassen.

Der Vater William ist der Älteste von den Inhaftierten und wird als Gefängnisvater dieses Marshallgefängnisses bezeichnet. Das Gefängnis ist mit eigenen Möbeln ausgestattet. Auch die Unterkunft ist nicht umsonst. Für Kost und Logis muss aufgekommen werden. Fraglich ist für mich, was mit Familien geschieht, die diese Mittel nicht auftreiben konnten?

Die Familie Dorrit teilt sich nicht die Zelle mit dem Vater, sondern sie ist im Gefängnis in  einer separaten Wohnung einquartiert.

William Dorrit ist ein vermögender Mann gewesen. Er gehörte dem Adelsgeschlecht an. Durch die damalige Finanzkrise und unseriöse Berater der Banken verlor er sein gesamtes Vermögen. Er verfügt nicht mal über Mittel, seine Unterkunft im Gefängnis zu bezahlen, wäre nicht seine jüngste Tochter Amy, die dafür aufkommt.

Die kleine Dorrit, die, man bekommt das Gefühl, scheint als eine Altruistin auf die Welt gekommen zu sein. Sie kümmert sich um die gesamte Familie. Sie schafft es, ihre Geschwister beruflich unterzubringen, sie schafft es, für sich selbst einen Beruf zu erlernen. Sie ist klug, beherrscht die Schriftsprache, verdient ihr Geld mit Näharbeiten. Mit diesem Geld kommt sie für die Lebensmittel auf und bezahlt die Mieten im Schuldengefängnis.

Eine liebenswürdige Persönlichkeit, die alle persönlichen Bedürfnisse zurückstellt, um für die Familie zu sorgen. Junge Männer, die ein Auge auf sie geworfen haben, gibt sie keine Chance, da ihr Herz ganz ihrem Vater gehört. Der Vater weiß sehr wohl ihre Liebe und ihre Verantwortung, die sie der Familie entgegenbringt, zu schätzen. Sie putzt außerdem seine Zelle und bereitet seine Mahlzeiten vor.

Klein Dorrit, von der Statur her die eines Kindes, geht eine Opferrolle ein. Sie verlässt das Gefängnis nur zum Broterwerb, die restliche Zeit verbringt sie in der Zelle ihres Vaters und in ihrer eigenen Gefängnisunterkunft.

Der 40-jährige Sohn ihrer Herrin namens Arthur Clennam, bei der sie in fester Anstellung als Näherin beschäftigt ist, wird auf die scheinbare Persönlichkeit aufmerksam und fängt an, echtes Interesse für die junge Frau zu bekunden und schleicht ihr nach Arbeitsende heimlich hinterher, um herauszufinden, wo sich ihr Zuhause befindet ...

... Es entsteht eine kleine Freundschaft zwischen ihnen. Klein Dorrit bleibt aber immer demutsvoll, diskret und zurückhaltend. Sie wirkt wie ein scheues Reh, um nicht aufzufallen. 
Arthur Clennam bringt ihr gegenüber viel Wertschätzung entgegen, dass sie selbstlos an alle denkt, nur nicht an sich selbst.

Als Klein Dorrit Arthur Clennam das Gefängnis als ihre Heimat beschreibt, widerspricht Arthur ihr: 
>>Nennen Sie es nicht als das  zu Hause, mein Kind<<, bat er. >>Es ist mir immer peinlich Sie das zu Hausen heißen zu hören<<, verteidigt Amy es:
>>Aber es ist mein Haus. Was kann ich sonst meine Heimat nennen? Warum sollte ich das je vergessen?<<

Klein Dorrit setzt sich nicht nur für die eigene Familie ein, sondern auch für andere bedürftige Menschen, die aus dem Armenhaus kommen. Es gibt eine Szene im Buch, in der sie einen gebrechlichen Mittellosen auf der Straße ins Armenhaus begleitet. Sie musste sich heftige Beschimpfungen vor allem durch die Geschwister über sich ergehen lassen, als sie auf der Straße mit diesem fremden Mann von Fanny gesehen wird. Obwohl die Dorrits selber arm sind, haben sie ihre Standesherkunft nicht vergessen. Fanny macht ihrer Schwester heftige Vorwürfe, dass sie die Familie öffentlich blamiert habe. Außerdem fühlt sich Fanny durch dieses Ereignis in ihrer Demut verletzt ... Hier wird diese Absurdität von Armut und Unmenschlichkeit widergespiegelt. Arme Adlige? Arme Armen? Hier ist der Unterschied zu finden, doch unter dem Strich besitzen beide Zielgruppen nichts.

Arthur Clennam erweist sich als geistiger Wohltäter, der versucht, sich für William Dorrit im Circumlocution Office einzusetzen. Diese öffentliche und fiktive Einrichtung wird von Dickens als eine fragwürdige Regierungsabteilung bezeichnet. Arthur wird hier von einem Beamten zum nächsten verwiesen. Niemand zeigt echtes Interesse, Clennam mit Informationen behilflich zu sein ... Die Lage scheint aussichtslos zu sein, wie ihm durch eine lapidare Bemerkung eines Beamten mitgeteilt wird.

Ein paar wenige Zeilen zu Arthur Clennam: Clennam hat zwanzig Jahre seines Lebens geschäftlich in China zugebracht, und diese Arbeit übernommen, als sein Vater stirbt. Mit der Zeit gibt er die Geschäfte auf, weil sie keinen Gewinn mehr abwerfen, merkt, dass etwas faul ist, und reist zurück nach London und bittet um eine ernste Unterredung mit seiner invaliden und vom Charakter her bestimmenden und kühlen Mutter. Die Mutter kann seine Befürchtung nicht teilen, es sei alles rechtens verlaufen und wirft ihrem Sohn persönliches Versagen vor …

Wie das Buch ausgeht? Ich würde gerne über den Schluss schreiben, doch dann würde ich zu viel verraten. Aber auf jeden Fall ist der Schluss charakteristisch ganz nach Dickens. Wer Dickens kennt, weiß, was damit gemeint sein könnte. Dieser Schluss bezieht sich allerdings nur auf den ersten Band. Ich bin daher neugierig, wie der zweite Band fortgesetzt wird und wie er endet. Damit muss ich noch etwas warten, da ich in der Zwischenzeit andere buchige Verpflichtungen nachgehen möchte.

Mein Fazit?

Mir ist Amy Dorrit zu glatt. Viel zu fromm, viel zu heilig. Ein Persönlichkeitsbild, das keine Schwächen aufweist, und unaufhörlich Gutes tut. Einerseits interessant, andererseits kann dieser Charakterzug mit der Zeit auch in Langeweile umschlagen.

In der Dickenswelt fließen Tränen. Dies kann manchmal ein bisschen zu viel sein, zu rührselig. Hier weinen auch Männer und das finde ich wiederum gut … Etwas sentimental, wenn schließlich auch der Regen anfängt, traurig zu fallen. Dass bestimmte Figuren aufgrund ihres Schicksals betrübt sind, ist für mich auch ohne den traurigen Regen glaubwürdig.

Das Cover finde ich wunderschön. Darauf sind Arthur Clennam, Klein Dorrit und die etwas geistig zurückgebliebe und infantile Maggie abgebildet. 

Meine Buchbewertung?

1 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
1 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

Zehn von zwölf Punkten. Einen Punktabzug wegen der vielen Schreibfehler, nicht, weil der Stil schlecht war.


Wer sich für literaturwissenschaftliche Texte zu dem Buch interessiert, für diese habe ich zwei Links eingefügt. Ich selber habe sie nicht gelesen, weil mir meine eigenen Gedanken wichtiger sind, da ich den zweiten Band noch vor mir habe. Erst danach werde ich mir diese Rezensionen vornehmen. 

Eine Rezension von dem Spiegel-Magazin, klick hier.
Und die Zweite von der FAZ, klick hier.




Little Dorrit, englische Version.

Den Film gibt es aber auch auf Amazon in deutscher Sprache zu beziehen. Siehe hier.

Weitere Informationen zu dem Buch

·         Taschenbuch: 442 Seiten, 12,99 €
·         Verlag: Jazzybee Verlag (27,. Januar 2015)
·         Sprache: Deutsch
·         ISBN-10: 3849699994

__________
Es gibt nur eine Aufgabe,
und die besteht darin,
die Liebe zu vermehren.
(Leo Tolstoi)

Gelesene Bücher 2018: 01
Gelesene Bücher 2017: 60
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Freitag, 8. Juli 2016

Leseprojekte Charles Dickens

In meiner knapp vierjährigen Bloggerkarriere habe ich ein paar Leseprojekte veranstaltet, habe mir aber nie ein Label dazu angelegt. Dies noch nachträglich aufzuholen, wäre sehr zeitaufwendig, da sich mittlerweile sehr viele Bücher angehäuft haben. Deshalb habe ich überlegt, mir nun eine Liste zu erstellen, auf der alle meine Leseprojekte festgehalten sind, damit sie nicht versanden. Anfangs hatte ich noch keine Blogerfahrung, ich konnte noch nicht wissen, welche Schwerpunkte sich mir beim Lesen ergeben würden. Viele AutorInnen kannte ich zwar schon, aber viele kannte ich auch nicht. Wenn ich von gewissen AutorInnen sehr angetan war, hatte ich beschlossen, mir so viele Bücher wie nur möglich von diesen anzuschaffen und sie auch zu lesen.  










Foto: Gemeinfrei aus Wikipedia

Nun habe ich diese Liste doch gestückelt. Hier auf dieser Seite geht es um Charles Dickens. 


Charles Dickens

Von Charles Dickens kennt man ja die bekannten Klassiker wie David Copperfield oder Oliver Twist, die ich auch in meinen jungen Jahren gelesen habe. Doch später wurde ich neugierig auf die weniger bekannten Bücher und habe folgende gelesen:

  1. Bleak House 
  2. David Copperfield
  3. Der Raritätenladen
  4. Die Silvesterglocken
  5. Eine Geschichte aus zwei Städten 
  6. Eine Weihnachtsgeschichte
  7. Große Erwartungen
  8. Klein Dorrit, BD 1
  9. Nikolaus Nickleby   
  10. Oliver Twist
  11. Schwere Zeiten                                                            
Charles Dickens Leseprojekt ist schon fast beendet. Mit dem Titel Klein Dorrit vollende ich dieses Leseprojekt. Ich habe alle Bücher, die im Deutschen übersetzt sind, gelesen. Charles Dickens schreibt über das viktorianische Zeitalter Englands, das neben dem wirtschaftlichen Aufstieg auch geprägt war von sozialer und gesellschaftlicher Kälte. Starke Diskrepanzen zwischen Arm und Reich, zwischen Gut und Böse sind den Büchern zu entnehmen.
Mir haben alle Dickens Bücher gut gefallen, lediglich BD Nr. 5 musste ich erst wieder abbrechen, und habe es später wieder angefangen zu lesen und habe es auch beenden können. Ich hatte zu viele Dickens hintereinander gelesen. Mir hat die Distanz von einem Buch zum anderen gefehlt. Eine Weihnachtsgeschichte hat mir fast am besten gefallen. 


Leider habe ich viele Dickens-Bücher schon gelesen, bevor ich meinen Blog gegründet habe, weshalb nur wenige Rezensionen hinterlegt sind. Mir war das Leseprojekt dennoch wichtig zu gründen, damit mir kein Dickens vergessen geht. Auf diese Weise habe ich einige Bücher finden können, die mir noch fremd waren, weil sie nicht zu den bekannten Büchern zählen. 



Donnerstag, 7. Juli 2016

Charles Dickens / Eine Geschichte von zwei Städten (1)

Lesen mit Anne ...

Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Leider kann ich wenig Positives zu dem Buch schreiben. Das ist das schlechteste Dickens-Buch, das ich bisher gelesen habe. Ich kann nicht einmal sagen, woran es gelegen hat. Anne hatte schnell aufgegeben, ich habe durchgehalten, weil Dickens zu meinen Favoriten zählt. Ich habe über fünfzig Seiten gebraucht, bis ich in der  Geschichte drin  war. Trotzdem ging es für mich stockend weiter. Ich konnte mit den Romanfiguren partout nicht warm werden.

Wenn ich ein Buch über die Französische Revolution zur Auffrischung lesen möchte, dann wäre ich ganz sicher mit einem Geschichtsbuch besser dran gewesen ...

Deshalb habe ich gar keine wirkliche Lust, eine Buchbesprechung dazu zu schreiben. Auf Amazon habe ich eine kritische Rezensentin erwischt, die meinte, dass das Buch viele Übersetzungsfehler haben würde. Als Anne von dieser Rezension berichtet hatte, habe ich die Rezensentin ein wenig belächelt, weil sie so wenig inhaltlich geschrieben hatte, aber mittlerweile glaube ich auch, dass es an der mangelhaften Übersetzung liegt.

Mein Englisch geht nicht über das Schulenglisch hinaus, weshalb ich das Buch nicht in der Originalsprache lesen kann, um mir selbst eine Meinung zu bilden ... 

Aber dieses Werk von Dickens erlebe ich wie einen Außenseiter. Sonst hat der britische Romancier immer Bücher über das viktorianische England geschrieben. Dieses Werk, ein historischer Roman im späten 18. Jahrhundert, fällt aus dem Rahmen. Vielleicht ist Dickens nicht ausreichend geübt, historische Romane zu schreiben.  

Aber froh bin ich trotzdem, durchgehalten zu haben, so wurde mir nochmals die Französische Revolution bewusst, und mir fielen jede Menge historische Daten wieder ein, wie z. B. den 14.Juli.1789, Sturm auf die Bastille. Dickens schrieb zwar über dieses Ereignis, aber er hatte kein Datum erwähnt und ich hatte mich gefreut, dass mein Gedächtnis sich diese und andere historische Daten behalten hatte. Meine Schulzeit liegt ja nun schon einige Jahrzehnte zurück.
Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit ergänzte Dickens noch mit Tod. Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit oder Tod.

Dickens machte dadurch auch auf die Missstände aufmerksam, die ein Krieg, in diesem Fall der Revolutionskrieg, mit sich bringt. Viele Menschen sind einen sinnlosen Tod gestorben, brutalst und schuldlos hingerichtet ...

Ich spare mir bei diesem Buch in meinem Blog eine Buchbewertung.

Weitere Informationen zu dem Buch:

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Nikol (3. November 2015)
Sprache: Deutsch, 7,99€
ISBN-10: 3868202781
ISBN-13: 978-3868202786

________
Gelesene Bücher 2016: 38
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86


Montag, 9. Juli 2012

Charles Dickens / Schwere Zeiten (1)



 Eine Buchbesprechung zur o. g. Lektüre

Ich habe heute das Buch zu Ende gelesen und ich muss sagen, ich bin erstaunt über den untypischen Schreibstil von Charles Dickens, was sicherlich mit der Thematik zusammenhängt. Der Schreiststil ist recht trocken, wenig fantasievoll, recht gefühlsarm, dafür keine Sentimentalitäten und keine Gefühlsduselei... In diesem Buch fließen fast keine Tränen... Die darin beschriebene Welt ist absolut auf Sachlichkeit und Tatsachen gebaut. 

Die Schule von M´Choakumchild war durchgehends Tatsache; die Zeichenschule sei durchgehendst Tatsache und die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer waren lauter Tatsachen. Alles war auch Tatsache, von der Entbindungsanstalt bis zum Kirchhof. Was man also nicht mit Zahlen beweisen dartun konnte, das auf dem billigsten Markt zu kaufen und auf dem teuersten zu verkaufen war, das hatte keine Existenzberechtigung, das sollte niemals sein, bis zu aller Welt Ende, Amen.

Es war verboten, Kindern Märchen und Geschichten zu erzählen.  Wenn Kinder von solchen Gestalten träumten oder gar erzählten, wurde ihnen diese sehr bald von ihren Lehrern ausgetrieben. Selbst bunte Blumenmuster auf Teppich und Tapeten wurde ihnen ausgeredet, da diese keine echten Blumen seien… .

"Hierin beruht die Springfeder der mechanischen Kunst und des Geheimnisses, die Vernunft zu erziehen, ohne sich zur Ausbildung der Gefühle und Neigungen herabzulassen. Man muss sich nie wundern! Bringe alle Sachen vermittels Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division in Ordnung und wundere dich nie. "Gibt mir ein Kind", sagt M`Choakumchild, "das wenigstens allein gehen kann, und ich werde es dahin bringen, dass es sich niemals mehr wundert!"

Menschen werden zu Maschinen erzogen, alles ist genau berechnet. Literatur, Poesie, Kunst... gibt es keine, da sie nicht erlaubt ist. Die Menschen haben keine Träume. Die Menschen sind alle gleich... . Die Welt in England beruft sich lediglich auf Zahlen und Statistiken. Die Kinder in der Schule werden nicht mit Namen aufgerufen, sondern mit Nummern... . Die Städte und Dörfer sind durch die vielen Fabriken voller Nebel, Dreck, die Luft voll Ruß.... Die Menschen sind keine Menschen, sondern lediglich Fabrikarbeiter, die den Dreck für die hohen Bosse, Fabrikanten,  Bankiers etc. tun und deren schwere Fabrikarbeit an lebensgefährlichen Maschinen gebunden ist... . 

Es gibt eine Romanfigur, die sich gegen das System auflehnt... . Stephen Blackpool, der eine Unterredung mit dem Fabrikanten Mr. Bounderby sucht:

" Sir, ich möchte mich niemals darüber auslassen, obwohl ich mein Teil mitgelitten habe. Wir stecken in der Tat in tiefer Bedrübnis, Sir. Blickt in der Stadt umher - so reich sie auch ist - und betrachtet die Zahl der Leute, die nur dazu geboren scheinen, um zu weben und Wolle zu krämpeln, und die das Leben alle in gleicher Weise fristen - von ihrer Wiege bis zu ihrem Grab. Seht doch, wie wir leben, wo wir leben und in welcher Anzahl, unter welchen Aussichten und mit welcher Gleichförmigkeit; seht nur, wie die Maschinen immerfort arbeiten und wie sie uns doch nie einem fernen Gegenstand näher bringen - außer stets dem Tod. Seht nur, wie ihr uns beurteilt und über uns schreibt und spricht und unseretwegen eure Deputationen zum Staatssekretär schickt, und ihr stets Recht habt und wir stets Unrecht, und wie wir kein Funken Verstand in uns haben, seitdem wir geboren wurden. Seht nur, wie das zugenommen hat, Sir, stärker und stärker, immer weiter und weiter und immer schwerer und schwerer, von Jahr zu Jahr, von Generation zu Generation. Wer kann das alles betrachten, Sir, und einem Mann kühn sagen, dass es kein trauriger Zustand ist?"

Doch nicht nur die Fabrikarbeiter sehnen sich nach mehr Menschlichkeit, nein, auch die Kinder der Bankiers leiden auf ihre Weise. Das Geschwisterpaar Tom und Luise Gradgrinds z.B., Kinder aus wohlhabendem Hause, versuchen sich gegenseitig beizustehen, wenn sie in familiäre, seelischen Nöte geraten. Ganz besonders Luise, die ältere von den beiden, kümmert sich mit viel Hingabe um ihren recht sorgenvollen Bruder, es ihr aber, ohne Ideale dastehend, an jugendlicher Weisheit fehlt:

"Sieh, Tom, da ich immer älter und größer werde, sitze ich oft da, mich wundern und nachdenken, wie unglücklich ich doch bin, dass ich dich mit unserem elterlichen Hause nicht besser versöhnen kann. Ich weiß nicht was andere Mädchen können. Ich kann dir nicht vorsingen oder vorspielen. Ich kann kein Gespräch mit dir führen, um deinen Geist zu erheitern; ich sehe nichts Unterhaltendes und ich lese keine unterhaltenden Bücher, dass es dir zum Vergnügen gereichen könnte, wenn ich mit dir darüber spreche, wenn du der Ausspannung bedürftig bist."

Und gerade diese Ödnis, durch den Mangel an Literatur und an Kunst, Mangel an Spiele und Freuden spürt man ganz deutlich in dem Buch, wie geistig eintönig die Menschen durch das System, das sich nur auf Tatsachen stützt, dort leben... .

Luise, zwanzig Jahre alt, wird mit einem um dreißig Jahre älteren Mann verheiratet, der sowohl Bankier als auch Fabrikant ist. Luise willigte der Vermählung nur aus Liebe zu ihrem Bruder Tom zu, der allzu verschuldet ist. Sie erkennt kurze Zeit darauf ihren groben Fehler, ihren Bruder, der immer mehr auf Abwegen gerät, konnte sie nicht retten, und hat sich zudem in einen jungen Mann verliebt. Sie reißt auf dieser Ehe heraus, flieht in ihr Vaterhaus und bittet um eine Unterredung. In dieser Unterredung bringt sie diplomatisch alles zur Sprache, was der Vater den Kindern in der Erziehung versäumt hat ihnen für das Erwachsenenleben mitzugeben. Mitunter wurde auch die unglückliche Ehe thematisiert, zu der Luise nicht mehr zurückzukehren beabsichtigte:

"Nun, mein Vater, der Vorzug, den sich Kinder untereinander zu geben pflegen und von dem ich selbst gehört habe, hat in meiner Brust nie einen unschuldigen Sitz aufgeschlagen. Sie sind so vorsichtig mit mir gewesen, dass ich nie das Herz eines Kindes besaß. Sie haben mich sowohl erzogen, dass ich niemals den Traum eines Kindes geträumt. Sie sind, mein Vater, von meiner Wiege bis zur gegenwärtigen Stunde so weise mit mir verfahren, dass ich niemals einen kindlichen Glauben oder eine kindliche Furcht empfand." 

Glaube und Furcht zählten auch nicht zu Tatsachen, sondern zu Erfindungen.

Luise, eine recht sensible junge Frau, mit einer ausgeprägten Intuition ausgestattet, spürt sehr wohl in sich, dass sie etwas ganz Wesentliches, etwas ganz Elementares vermisst, so bringt sie auch dies ihrem Vater zur Sprache:

"Wie konntest du mir Leben geben und mich alle meiner unschätzbaren Dinge berauben, die es über den Zustand bewussten Todes hinaufheben? Wo ist die anmutige Sicherheit meiner Seele? Wo sehen die Gefühle meines Herzens? Was hast du getan, o Vater, was hast du getan mit dem Garten, der einst hier in dieser großen Wildnis blühen sollte? (…) und dennoch, Vater, wenn ich stockblind gewesen wäre, wenn ich meinen Weg hätte tappend finden müssen und die Freiheit besessen hätte - da ich die äußere Form und die Oberfläche der Dinge kannte, meine Fantasie dabei als Richtschnur zu nehmen-, so würde ich jetzt um vieles weiser, glücklicher, liebevoller, unschuldiger unmenschlicher in jeder Beziehung gewesen sein, als ich jetzt mit meinen Augen bin. (…) Mit einem Hunger und Durst, Vater, die keinen Augenblick gestellt wurden - mit einem inbrünstigen Verlangen nach einer Region, wo Regeln, Zahlen und Definitionen nicht alles sind - bin ich aufgewachsen und habe mir meinen Lebenspfad Zoll für Zoll erkämpft."
Der Vater zeigt sich recht erstaunt über die Worte seiner Tochter. Sie stimmen ihn traurig und nachdenklich. Er bestätigt, dass es Menschen gibt, die davon reden, dass es sowohl eine Weisheit des Herzens als auch eine Weisheit des Kopfes gäbe. Er dagegen habe nur an die Weisheit des Kopfes geglaubt:

Wie kann ich diesen Morgen zu behaupten wagen, dass es so ist. Wenn die andere Art von Weisheit das sein sollte, was ich vernachlässigt habe, und der Instinkt, der vonnöten ist, dann Luise…".

(...)

So, Ich mache nun hier Schluss, da meine Buchbesprechungen nichts anderes als Fragmente sein sollen, auch, weil ich nicht alles verraten möchte. Mir geht es vielmehr um die vielen schönen Zitate, in denen so viel Weisheit steckt, die ich nicht nur lesen möchte, sondern versuchen, sie auch im Leben umzusetzen. Und am besten geht das, wenn man diese Textstellen immer wieder nachschlagen kann.
     
Zum Schluss wird es in dem Buch wieder dickerisch. Tränen sind reichlich geflossen, und nicht nur bei der Frau, bei Dickens weinen nämlich auch die Männer... . Ich habe vergessen zu erwähnen, dass es noch andere Merkmale in dem Buch gibt, die ich als typisch Charles Dickens bezeichnen würde. Eine junge Frau, Luise, s. o., die sich für ihren jüngeren Bruder aufopfert... . Das hat man oft in bei Dickens, aufopfernde junge Frauen, die von wohlhabenden Männern gerettet werden... . Des Weiteren taucht auch eine elternlose Figur auf, die von einem wohlbegüteten Vater von mehreren Kindern aufgenommen wird. Ich bin auf diese nicht eingegangen... und verweise auf das Buch, es selber zu lesen.

Das Fazit des Romans ist dieses, dass die Weisheit, die ausschließlich aus dem Kopf stammt, unmenschlich macht. Sie ist arm an Bildern, arm an Kreativität, und vor allem arm an Menschlichkeit. Nur eine Ballance zwischen der Weisheit des Kopfes und der Weisheit des Herzens macht den Menschen zu einem wahren und vollkommenen Wesen.

 _______________
„Die rechte Vernunft liegt im Herzen“ (Theodor Fontane)

SuB:

Amin: Der Klang der Sehnsucht
Donoghue: Raum
Frank: Rücken an Rücken
Lenz: Die Masken
Leroux: Das Phantom der Oper
Manguel: Die Bibliothek bei Nacht
Mann. T. Erzählungen (1)
Miin: Madame Mao
Muawad: Verbrennungen
Obrecht: Die Tigerfrau
Osorio: Mein Name ist Luz
Pamuk: Istanbul
Senger: Kaiserhofstr. 12
Thackeray: Das Buch der Snobs

Gelesene Bücher 2012: 48
Gelesene Bücher 2011: 86