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Sonntag, 2. Juli 2017

Erik Neutsch / Spur der Steine



Lesen mit Anne


Diesmal lesen Anne und ich ein Buch, das nicht auf der Bestsellerbücherliste steht. Aber manchmal ist es gut, mal nach solch einem Buch zu greifen. Einen DDR-Klassiker, der durch Anne zu mir eingezogen ist. Anne hatte davon zwei Exemplare.

Auf den ersten Seiten wurde ich ein wenig ungehalten. Die Themen schienen für mich erst zu männerlastig zu sein, aber mittlerweile gefällt es mir sehr gut. Der Schreibstil ist genial. Spitzfindig, fantasievoll und sehr gesellschaftskritisch. Ich befinde mich derzeit auf der Seite 150.  

Ich werde die Buchbesprechung später hier in der Buchvorstellung anreihen. Es ist ein sehr dickes Buch, für das ich lange brauchen werde. Habe dafür vor, die Buchbesprechung nicht so sehr in die Länge zu ziehen. Werde lediglich die Diskussionsergebnisse zwischen Anne und mir festhalten.

Klappentext
In dem großangelegten Roman wird ein eindrucksvolles Bild von der Aufbruchzeit im Osten Deutschlands entworfen. Erzählt wird die Geschichte eines Rebellen, die des Zimmermanns Hannes Balla, der wie ein Glückssucher durchs Land zieht und alles an sich bindet, was ihm begegnet: Geld, Frauen, Macht – und der alles abwehrt, was sein Leben stören könnte: Recht und Ordnung und selbst die großen Gefühle wie eine aufkeimende Liebe.Balla wird zum Urtyp von Menschen im Aufbruch, die vor allem den Herrschenden nicht geheuer sind.

Autorenporträt
Erik Neutsch, geboren am 21. Juni 1931 in Schönebeck an der Elbe als Sohn eines Arbeiters, studierte von 1950-1953 Gesellschaftswissenschaften, Philosophie und Publizistik. 1953-1960 Journalist bei der »Freiheit« in Halle. Seit 1960 freischaffender Schriftsteller. 1974-1990 Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Weitere Werke: »Bitterfelder Geschichten« (1961), »Auf der Suche nach Gatt« (1973), »Am Fluß« (1974), »Frühling mit Gewalt« (1978), »Wenn Feuer verlöschen« (1985), »Nahe der Grenze« (1987), »Totschlag« (1994), »Forster in Paris« (1994), »Verdämmerung« (2003).

Weitere Informationen zu dem Buch

Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale) , 1966
950 Seiten.

Buchbesprechung, 14.07.2017

Für das Buch habe ich zehn Tage gebraucht. Eigentlich hebe ich mir solche dicken Bücher immer für meine Urlaubszeit auf, aber diesmal musste ich eine Ausnahme machen, da ich mehr dicke Bücher besitze, als ich Urlaub habe. Allerdings ist es dem wahnsinnig guten Schreibstil des Autors zu verdanken, dass ich gut durchhalten konnte. 
Mit Anne, die morgen mit dem Buch durch sein wird, habe ich schon mehrmals telefoniert, um über das Buch zu sprechen. Eigentlich bin ich, was die gesellschaftliche und politische Lebensweisen der ehemaligen DDR betreffen, nicht so bewandert, wie Anne es ist, die aus der ehemaligen DDR kommt und sie somit einen ganz anderen Background mitbringt als ich es tue. Auch ist sie dadurch anders sensibilisiert als ich.  

Die Themen bleiben für mich weiterhin ein wenig männerlastig, aber die zusätzliche Liebesgeschichte peppt den Roman noch etwas auf. Wobei ich Liebesgeschichten nicht so gerne lese, aber hier war sie mir eine willkommene Abwechslung. Selbst die Liebe wurde in der ehemaligen DDR anders gelebt als bei uns im Westen. Die Vorgaben waren hier recht rigide und nicht so frei wie im Westen. Wobei es auch im Westen damals unüblich war, ein uneheliches Kind auf die Welt zu bringen, aber man wurde deswegen gesellschaftlich nicht angeprangert. Leider verrät der Autor uns nicht, zu welcher Zeit sich die Handlungen abspielen. 

Anne und ich wollten uns dann über die Kommentar-Funktion hier im Blog austauschen, da sie selbst keinen Blog mehr besitzt. Leider hat sie aus persönlichen Gründen, die für mich nachvollziehbar sind, ihren Literaturblog geschlossen, sodass eine Verlinkung zwischen uns beiden nicht mehr möglich ist, weshalb nun unser Austausch über die Kommentarfunktion getätigt wird. 

Meine Bewertung zu dem Buch? 


2 Punkte: Sprachlicher Ausdruck (Anspruchsvoll, keine saloppe Schreibweise)
2 Punkte: Differenzierte Charaktere
2 Punkte: Authentizität der Geschichte
2 Punkte: Fantasievoll, ohne dass es kitschig oder zu sentimental wirkt
2 Punkte: Frei von Stereotypen, Vorurteilen, Klischees und Rassismus
2 Punkte: Cover und Titel stimmen mit dem Inhalt überein

12 von zwölf Punkten.
________
Gelesene Bücher 2017: 28
Gelesene Bücher 2016: 72
Gelesene Bücher 2015: 72
Gelesene Bücher 2014: 88
Gelesene Bücher 2013: 81
Gelesene Bücher 2012: 94
Gelesene Bücher 2011: 86




Montag, 21. November 2016

James Matthew Barry / Peter Pan

Mit Illustrationen 
von Robert Ingpen

Übersetzer
Martin Romitsch

Lesen mit Tina

Es ist wieder so weit. Tina und ich lesen zum Monatsende gemeinsam ein Buch. Diesmal war ich mit dem Aussuchen dran.



Klappentext
Mit Peter Pans Suche nach seinem Schatten im Kinderzimmer von Wendy, John und Michael Darling beginnt eine der bekanntesten klassischen Erzählungen, die seit nunmehr 100 Jahren die Fantasie von Jung und Alt beflügelt. Wendy und ihre beiden Brüder begleiten Peter ins Nimmerland. Auf der zauberhaften Insel haben sie zusammen mit den »verlorenen Jungen« und der spitzbübischen Fee Glöckchen eine Reihe spannender Abenteuer zu bestehen. Gemeinsam treffen sie auf Meerjungfrauen, tapfere Indianer und natürlich die Piraten der Jolly Roger und ihren berüchtigten Anführer Kapitän Hook, dessen Schicksal in den Händen eines krähenden Jungen und eines tickenden Krokodils liegt. 

Autorenporträt
Sir James Matthew „J. M.“ Barrie, Baronet war ein schottischer Schriftsteller und Dramatiker. Er schuf mit Peter Pan eine fantastische Figur, die weltbekannt wurde.
Robert Ingpen hat über 100 Erzähl- und Sachtexte illustriert und geschrieben. 1986 erhielt er die Hans-Christian-Andersen-Medaille für seine Verdienste um das Kinderbuch. 
Peter Pan kenne ich aus meiner Jugend und habe richtig Lust, ihn nochmals zu lesen. Ich kann mich kaum noch an dieses Märchen erinnern. Aber ich erinnere mich noch genau, als das Buch in Miniformat in meinem Osterkorb gelegen hat. Auf meinem Buch damals war Peter Pan mit grüner Kleidung abgebildet. 
Ich hatte damals die Bücher regelrecht verschlungen. Nun freue ich mich auf ein Neues und dass Tina bereit ist, mit zu lesen.


Nach Marcel Proust nun etwas Leichteres. 


Weitere Informationen zu dem Buch

Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
Verlag: Knesebeck Verlag (30. September 2010)
24,95 €
ISBN-10: 386873273X
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 10 Jahre






Sonntag, 13. November 2016

Marcel Proust / Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

BD 5 Die Gefangene

Eine Romanbiografie 



Klappentext
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens in der Neubearbeitung von Luzius Keller und Sibylla Laemmel. In "Die Gefangene" nimmt Marcel, der am Ende von Sodom und Gomorrha beschlossen hat, Albertine zu heiraten, sie zu sich nach Hause und hält sie dort versteckt. Mit dieser Gefangennahme weicht seine Liebe jedoch einer Eifersucht, die aus ihm den eigentlichen Gefangenen macht. Immer wiederkehrende Themen des fünften Bandes sind der Schlaf und das Erwachen. Die berühmte Szene, in der Marcel die schlafende Albertine beobachtet, ist bereits Vorzeichen ihres Todes... Die von Luzius Keller herausgegebene "FrankfurterAusgabe" umfasst alle von Proust veröffentlichten und nachgelassenen Werke in teils neuer, teils überarbeiteter Übersetzung. 

Autorenporträt
Marcel Proust wurde am 10. Juli 1871 in Auteuil geboren und starb am 18. November 1922 in Paris. Sein siebenbändiges Romanwerk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ist zu einem Mythos der Moderne geworden. Eine Asthmaerkrankung beeinträchtigte schon früh Prousts Gesundheit. Noch während des Studiums und einer kurzen Tätigkeit an der Bibliothek Mazarine widmete er sich seinen schriftstellerischen Arbeiten und einem – nur vermeintlich müßigen – Salonleben. Es erschienen Beiträge für Zeitschriften und die Übersetzungen zweier Bücher von John Ruskin. Nach dem Tod der über alles geliebten Mutter 1905, der ihn in eine tiefe Krise stürzte, machte Proust die Arbeit an seinem Roman zum einzigen Inhalt seiner Existenz. Sein hermetisch abgeschlossenes, mit Korkplatten ausgelegtes Arbeits- und Schlafzimmer ist legendär. In Swanns Welt, der erste Band von Prousts opus magnum, erschien 1913 auf Kosten des Autors im Verlag Grasset. Für den zweiten Band, Im Schatten junger Mädchenblüte, wurde Proust 1919 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Die letzten Bände der Suche nach der verlorenen Zeit wurden nach dem Tod des Autors von seinem Bruder herausgegeben.

Ein zweiter Versuch. Beim ersten Mal musste ich das Buch abbrechen. Es war mir zu langatmig, weiß nicht genau, woran es gelegen haben könnte. Schließlich habe ich im BD 6 rumgeblättert, als ich dann diesen Band dem fünften Band vorziehen musste. Mit BD 6 kam ich besser zurecht.


Meine ersten Leseeindrücke?

Ich fühle mich in meinem Proust-Bild wieder mal bestätigt, was die Frauenfragen betreffen. Aus meiner Sicht ist Proust ein Frauenfeind ... Außerdem neigt er zu Stereotypen, indem er alle Frauen als Lügnerinnen darstellt. 

Dies geht auf der Seite 133 hervor, und auf den folgenden Seiten trägt er nochmals dick auf.  Damit mir jemand glaubt, was für ein verwöhnter Schnösel Proust ist, verweise ich auf diese Seiten. Von klein auf wurde er von den Frauen aus seiner Familie umgarnt, siehe vor allem BD 1. Das hat man nun davon, man sieht, was daraus geworden ist. Er ist aus dieser Kinderliebe einfach nicht herausgewachsen ...

Nun bin ich gespannt … 


Weitere Informationen zu dem Buch

Ich habe das Buch auf der Suhrkamp-Seite leider nicht finden können. Daher die Informationen aus Amazon.

Taschenbuch: 695 Seiten, 18,00 €
Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (29. November 2004)
ISBN-10: 3518456458


Sonntag, 2. Oktober 2016

Agatha Christie / Blausäure

Lesen mit Anne 

Und wieder ist ein Monat verstrichen, Anne und ich lesen gemeinsam ein Buch. Diesmal war Anne mit dem Aussuchen unserer gemeinsamen Lekrüre dran.

Ich habe schon ein paar Seiten probe gelesen und man kommt gut in die Geschehnisse rein ...


Klappentext
Es sollte eine gelungene Geburtstagsfeier für die junge Erbin werden. Doch nicht nur die Erinnerung an den Selbstmord der Schwester trübt die Gesellschaft, auch der Zweifel, ob nicht doch einer der Anwesenden das Zyankali in den Champagner mischte.

Autorenporträt
Die schrullig-witzige Amateurermittlerin Miss Marple (u. a. "Mord im Orient-Express") und ihre Schöpferin Agatha Christie sind wohl untrennbar verbunden. Aber auch der belgische Detektiv Hercule Poirot, der z. B. in "Das Böse unter der Sonne" agiert, wird von den Christie-Fans geliebt. Beide Figuren gehören zu den bekanntesten Ermittlern der "Königin des Kriminalromans": Agatha Christie. Sie wurde 1890 im britischen Torquay (Grafschaft Devon) geboren, wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und ihre Mutter förderte Agathas Schreibtalent. Mit 24 Jahren heiratete Christie und bekam 1919 eine Tochter. Die Ehe wurde, damals höchst ungewöhnlich, nach einem Seitensprung des Gemahls 1928 geschieden. 1930 schloss Christie mit dem 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan die Ehe. In diesem Jahr erschien auch der erste Miss-Marple-Roman, "Mord im Pfarrhaus". Das Lebenswerk umfasst u. a. rund 70 Krimis - alle mit dieser unvergleichlichen Mischung aus Ironie, psychologisch fein austarierten Figuren, englischem Humor und einer handfesten Portion Lebenserfahrung. Darüber hinaus schrieb Christie auch Kurzgeschichten, Theaterstücke, Romanzen (unter Pseudonym) oder eine Autobiografie. Viele ihrer Werke wurden verfilmt, z. B. "Zeugin der Anklage" mit Marlene Dietrich. 1971 erhob Queen Elisabeth II. Christie in den Adelsstand. Die "Queen of Crime" erlag 1976 in Wallingford (Grafschaft Oxfordshire) einem Schlaganfall. 

Von der Agatha Christi habe ich gelesen:  
1. Das Haus an der Düne
2. Der Wachsblumenstrauß
3. Die Kleptomanin
4. Die Tote in der Bibliothek 
5. Mord im Orientexpress
6. Vorhang
Dies ist nun unser drittes Agatha-Buch, das wir gemeinsam lesen. 





Sonntag, 25. September 2016

L. Frank Baum und Robert Ingpen / Der Zauberer von Oz

Lesen mit Tina

Parallel zum Peter Wohllebens Buch lese ich nun seit gestern mit meiner Bücherfreundin Tina Der Zauberer von Oz. Passend zu dem Buch gibt es ein Musical. Diesmal war ich mit dem Aussuchen unserer gemeinsamen Lektüre dran. Und nun zum 


Klappentext
Ein Wirbelsturm entführt Dorothy aus ihrer Heimat Kansas in das Märchenland Oz, in dem Hexen und Zauberer leben, Tiere sprechen, Affen fliegen und silberne Schuhe über magische Kräfte verfügen. Dorothy fürchtet schon, weder ihre Heimat noch Tante Em und Onkel Henry jemals wiederzusehen, doch dann gelangt sie mit ihrem Hund Toto auf der Gelben Ziegelsteinstraße in die Smaragdstadt, wo sie den Zauberer von Oz um Hilfe bei der Heimreise bittet. Robert Ingpens geniale Darstellungen der unwiderstehlichen Charaktere – wie der Vogelscheuche, des Blechmanns und des Feigen Löwen – nehmen junge Leser wie eingeschworene Fans mit auf eine spannende und außergewöhnliche Reise ins märchenhafte Land Oz.

Autorenporträt
L. Frank Baum (1856–1919) wurde in Chittenango im Staat New York geboren. Seine Geschichten über das märchenhafte Oz wurden weltberühmt. Der erste Band erschien im Jahr 1900 und wurde bereits über Nacht zu einem großen Verkaufserfolg. Dreizehn weitere Bände folgten. Auch die zahlreichen Film- und Musicaladaptionen seiner Werke wurden erfolgreich. 
Robert Ingpen hat über 100 Erzähl- und Sachtexte illustriert und geschrieben. 1986 erhielt er die Hans-Christian-Andersen-Medaille für seine Verdienste um das Kinderbuch.
Man findet in dem Buch wunderschöne farbige Illustrationen. Ich habe vor, mir von dem Verlag Knesebeck noch andere Jugendbücher anzuschaffen. Peter Pan und Das Dschungelbuch werde ich mir noch nachbestellen, obwohl ich diese schon in meinem Bücherregal stehen habe. Aber die Ausgaben finde ich nicht so toll. 


Weitere Informationen zu dem Buch

  • Gebundene Ausgabe: 193 Seiten
  • Verlag: Knesebeck (17. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3868733639
  • ISBN-13: 978-3868733631
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 - 8 Jahre

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Donnerstag, 27. August 2015

Hermann Hesse / Unterm Rad

Klappentext
Ein Schulmeister hat lieber zehn notorische Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schwereres vom anderen leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist, und wer von beiden es ist, der dem anderen Teile seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne bitter zu werden

Autorenporträt
Das umfangreiche lyrische Werk Hermann Hesses (* Calw 1877, † Montagnola 1962) geriet über die großen Romanerfolge wie "Peter Camenzind" (1904), "Demian" (1919), "Siddhartha" (1922), "Der Steppenwolf" (1927), "Narziß und Goldmund" (1930) oder "Das Glasperlenspiel" (1943) fast ein wenig in Vergessenheit. Hermann Hesse, der 1946 für sein Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur erhielt, wuchs in einem pietistischen Elternhaus auf. Nach einer höchst konfliktreichen Jugend - u. a. verübte er einen Selbstmordversuch, brach die Schule und später eine Lehre ab und rebellierte gegen die von ihm empfundene Scheinheiligkeit der Gesellschaft - verarbeitete er diese Zeit auch in "Unterm Rad" (1906). Das Ringen um den eigenen Lebensweg bleibt für Hermann Hesse zeitlebens ein Thema - auch in seinen Büchern und Gedichten -, und er trifft damit oft den Nerv einer Jugend auf der Suche. Hesse, der sich im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger gemeldet hatte, wegen Untauglichkeit aber in der Kriegsgefangenenfürsorge arbeitete, wurde zum entschiedenen Pazifisten und Kriegsgegner. Privat kämpfte er gegen das Auseinanderbrechen seiner ersten Ehe mit Maria Bernoulli, diverse Schicksalsschläge und die Trennung folgten. Hesse heiratete noch zwei Mal und lebte ab 1919 bis zu seinem Tod im schweizerischen Montagnola in der Nähe von Lugano. 1954 erhielt er den Militärorden Pour le Mérite, 1955 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - zahlreiche Preise waren ihm zuvor zuteil geworden.

Von Hermann Hesse habe ich in meinen Zwanzigern viele Bücher gelesen, die mir noch alle präsent sind, kann aber inhaltlich unmöglich des Umfanges wegen auf alle eingehen ... Ich kann gar nicht sagen, welches Buch mir am besten gefallen hat. Sie waren alle gut, aber ich würde den LeserInnen empfehlen, die bisher noch nichts von Hesse gelesen haben, mit dem Buch Narziss und Goldmund zu beginnen.

Das Buch Unterm Rad behandelt ein ähnliches Thema, nämlich ob es Sinn macht, das Leben immerzu strebend bzw. hinter staubigen Theorien zu verbringen, vor allem, wenn die ganze Jugend dafür aufgeopfert wird. Narziss und Goldmund war verglichen zu diesem Buch ein wenig poetischer geschrieben.

Mit dem Buch Unterm Rad bin ich auch fast durch und bin so auf das Ende gespannt ...

Hermann Hesse schreibt sehr einfühlsam. Er ist nicht nur ein sehr guter Autor, er wäre auch ein sehr guter Pädagoge geworden.

Ich freue mich schon auf die Buchbesprechung.


Samstag, 1. November 2014

Hans Fallada / Der Alpdruck

Lesen mit Anne ...

Es ist wieder soweit. Der erste des Monats und wir, Anne und ich, lesen wieder gemeinsam ein Buch. Diesmal war ich mit dem Auswählen dran und entschied mich wieder für Fallada, denn in meinem Bücherschrank befindet sich ein Fallada-SuB, den ich gerne auch abbauen möchte. Gute Bücher sollte man nämlich nicht allzulange ungelesen im Schrank aufbewahren.

Klappentext
Berlin, Stunde null – ein bedeutender Fallada
April 1945: Der Krieg ist vorbei, doch nachts verfolgen den Schriftsteller Dr. Doll Träume vom Bombentrichter, der ihn nicht freigibt. Er will etwas tun gegen den Alpdruck der Mitschuld, doch er kann es niemandem recht machen als Bürgermeister einer Kleinstadt, eingesetzt von der Roten Armee. Er stiehlt sich fort und flüchtet in den Drogenrausch. Im Chaos des zerbombten, nur auf dem Schwarzmarkt funktionierenden Berlin entgleitet ihm seine junge, morphiumsüchtige Frau, und er hat um zwei Leben zu kämpfen, als er zaghaft beginnt, wieder an eine Zukunft zu glauben.
Erst nachdem sich Fallada den "Alpdruck", die Geschichte des erkennbar eng aus seinem eigenen Erleben geschöpften Protagonisten Dr. Doll, von der Seele geschrieben hatte, konnte er sich der Arbeit an "Jeder stirbt für sich allein" stellen.
Mit einem Vorwort und Hintergrundmaterial.

Autorenporträt
RUDOLF DITZEN alias HANS FALLADA (1893–1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit "Der junge Goedeschal“. Der vielfach übersetzte Roman "Kleiner Mann – was nun?" (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, „Jeder stirbt für sich allein“ (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: »Bauern, Bonzen und Bomben« (1931), »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« (1934), »Wolf unter Wölfen« (1937), »Der eiserne Gustav« (1938).
»Alles in meinem Leben endet in einem Buch.«
Hans Fallada gehört zu meinen großen Lieblingen. Er schreibt sehr menschlich. Nein, ich sage lieber, Fallada ist auf dem Gebiet der Menschlichkeit ein großes Genie. Ich habe schon eine Reihe Bücher von ihm gelesen.

Gelesen habe ich von ihm:
  1. Damals bei uns daheim 
  2. Der eiserne Gustav 
  3. Der Trinker                                                   
  4. Ein Mann will nach oben                                                             
  5. Jeder stirbt für sich allein
  6. Kleiner Mann – großer Mann – alles vertauscht
  7. Kleiner Mann, was nun?
  8. Wer aus dem Blechnapf frißt 
  9. Wolf unter Wölfen
Dazu eine Biographie von Jenny Williams zu Fallada: Mehr Leben als eins

Lediglich Bauern, Bonzen und Bomben musste ich abbrechen, da mir die Welt darin schrecklich männlich vorkam. Das konnte ich nicht aushalten. Ich hatte zwei Mal versucht, das Buch zu lesen. Mittlerweile habe ich den Band aufgegeben. 

Von den anderen Bänden kann ich gar nicht sagen, welcher Titel mir am meisten zugesagt hat. Mir haben sie alle supergut gefallen. 

Ich freue mich, dass ich meiner Freundin Anne diese Fallada-Lust übertragen konnte, hihihi ... 

Auf ein Neues.

Zu Annes und Mirellas SuB



Dienstag, 28. Oktober 2014

Hans-Peter Rodenberg / Ernest Hemingway


Klappentext
Ernest Hemingway ist immer noch einer der populärsten Autoren der klassischen Moderne, sein Bild oszillierend zwischen Metaphysiker, Macho und medialem Selbstdarsteller von hohen Graden. Ein erneuter, frischer Blick auf seine Romane und Kurzgeschichten zeigt einen sehr viel sensibleren, sehr viel weniger machistischen Hemingway, als die feministische Kritik herausgestellt hat. Den Hemingway’schen Held plagen weit mehr Widersprüche und Selbstzweifel, als diejenigen wahrhaben wollen, denen er als Projektionsfigur männlicher Idealbilder dient.


Autorenporträt
Hans-Peter Rodenberg, Jahrgang 1952, Studium an der Hochschule für Bildende Künste und an der Technischen Universität Braunschweig, dann an der University of California in Los Angeles. 1986-1994 Redakteur beim NDR-Fernsehen, Abteilung Kultur. Seit 1994 Professor für Film, Neue Medien, Populärkultur und Kulturgeschichte der USA an der Universität Hamburg.

Von Hemingway habe ich bisher gelesen:
  1. Hemingway, Ernest: Paris, ein Fest fürs Leben
  2. Hotchner, A. E.: Papa Hemingway     
  3. Der alte Mann und das Meer

Mittwoch, 3. September 2014

Hans Fallada / Der eiserne Gustav

Lesen mit Anne ...

Dieses Buch habe ich aus unserem gemeinsamen SuB ausgesucht ...

Mit der Kutsche nach Paris

Berlin, zwischen 1914 und 1924: Gustav Hackendahl, genannt der eiserne Gustav, ist Droschkenkutscher, streng gegen sich selbst und andere. In den unruhigen Kriegs- und Nachkriegsjahren bricht seine Familie auseinander, sein Betrieb kann neben der Automobil-Konkurrenz nicht mehr bestehen. Da setzt er trotzig einen Traum in die Tat um: Er macht sich auf eine letzte Reise – mit der Droschke von Berlin nach Paris.

Autorenporträt

RUDOLF DITZEN alias HANS FALLADA (1893–1947), zwischen 1915 und 1925 Rendant auf Rittergütern, Hofinspektor, Buchhalter, zwischen 1928 und 1931 Adressenschreiber, Annoncensammler, Verlagsangestellter, 1920 Roman-Debüt mit "Der junge Goedeschal“. Der vielfach übersetzte Roman "Kleiner Mann – was nun?" (1932) machte Fallada weltberühmt. Sein letztes Buch, „Jeder stirbt für sich allein“ (1947), avancierte rund sechzig Jahre nach Erscheinen zum internationalen Bestseller. Weitere Werke u. a.: »Bauern, Bonzen und Bomben« (1931), »Wer einmal aus dem Blechnapf frißt« (1934), »Wolf unter Wölfen« (1937), »Der eiserne Gustav« (1938).»Alles in meinem Leben endet in einem Buch.«
Von Fallada habe ich schon eine Reihe von Büchern gelesen. Aber eine Reihe anderer Bücher von ihm stehen noch ungelesen im Regal.

Gelesen habe ich:
Damals bei uns daheim  
Der Trinker                                                   
Ein Mann will nach oben                                                            
Jeder stirbt für sich allein
Kleiner Mann – großer Mann – alles vertauscht
Kleiner Mann, was nun?
Wer aus dem Blechnapf frißt
Wolf unter Wölfen  
FotoGelesene Bände, siehe Foto rechts, mit einer Biografie von Jenny Williams.

Foto
















Und nun meine ungelesenen Bände, siehe oben links

Der vorliegende Band liest sich auch total interessant.

Meine ersten fünfzig Seiten habe ich gestern Abend verköstigt :-).



Mittwoch, 27. August 2014

Virginia Woolf / Mrs. Dalloway

Klappentext
Im Juni des Jahres 1923 bereitet Clarissa Dalloway, die Ehefrau eines britischen Parlamentsabgeordneten, eine große Abendgesellschaft in ihrem Haus in London vor. Der unerwartete Besuch von Peter Walsh, den sie seit der Ablehnung seines Heiratsantrags vor mehr als 30 Jahren nicht mehr sah, bringt Mrs. Dalloway zum Nachdenken: Hat sie damals die richtige Wahl getroffen?


Autorenporträt
Virginia Woolf, am 25. Januar 1882 in London geboren, wuchs im großbürgerlichen Milieu des viktorianischen England auf. Ihr Leben lang litt sie unter wiederkehrenden psychischen Krisen. 1912 heiratete sie Leonard Woolf; zusammen gründeten sie 1917 den Verlag ›The Hogarth Press‹. Ihr Haus war ein Zentrum der intellektuellen »Bloomsbury Group«. Am 28. März 1941 nahm Virginia Woolf sich unter dem Eindruck der Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges und erneut bedroht von einer Verdunkelung ihres Gemüts das Leben.
Mit Virginia Woolf hatte ich mich vor mehr als zwanzig Jahren beschäftigt. Einige Bücher hatte ich von ihr gelesen, und einen Film über ihr Leben gesehen. Leider gibt es diesen Film nicht mehr. Hätte das Bedürfnis, ihn ein weiteres Mal zu sehen. Habe im Netz erfolglos alles abgesucht. Aber ich habe noch einiges in Erinnerung und ich bin der Meinung, dass in dem vorliegenden Werk, das ich gestern Abend begonnen habe zu lesen, viel autobiographisches Material zu finden ist.

Stimmen, die aus den Wänden kommen - Wahnhafte Ideen.  V. W. litt an einer wahnhaften psychischen Erkrankung. Das kam in dem Film auch super gut rüber. Viel Unterstützung fand sie bei ihrem Mann Leonard, der sie abgöttisch liebte, er aber diese Liebe oft nicht erwidert bekommen hatte.

Clarissa Dalloways Ehemann Richard weist viele Parallelen auf zu ihrem Mann Leonard Woolf. Und ich bin sicher, dass die Clarissa D. ein Teil ihres inneren Ichs entspricht. Eine stark grübelnde Persönlichkeit, stark reflektierend, die alles im Leben in Frage stellt, und alle Perspektiven auf den Kopf stellt. So war auch Virginia W.

Heute bin ich aus gesundheitlichen Gründen gar nicht zum Lesen gekommen ... Das ist aber gar nicht schlimm, da ich dieses Buch schon das zweite Mal lese. Das erste Mal liegt auch schon eine ganze Weile zurück und besitze das Buch auch zwei Mal, da ich es mir ein zweites Mal angeschafft habe, damit ich mit diesem Band das Gefühl bekomme, es das erste Mal zu lesen :-). Beide Bände unterscheiden sich lediglich an den unterschiedlichen Herausgebern.



Samstag, 16. August 2014

Carson McCullers / Spiegelbild im goldnen Auge

Klappentext
Ein Militärcamp in einem trostlosen, verlassenen Südstaatennest, zwei Paare, die in ihrer monotonen Existenz gefangen sind und deren zwischenmenschliche Verstrickungen unausgesprochen bleiben. Jeden Abend sitzen der Major und seine kränkliche Frau beim Kartenspiel mit Hauptmann Penderton und dessen Frau Leonora, heimlich beobachtet vom Gefreiten Williams, der von der flamboyanten Frau Penderton magisch angezogen ist.

Autorenporträt
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.
Das ist das letzte Buch, das ich von der Autorin habe. Gelesen habe ich von ihr folgende Bände:
Das Herz ist ein einsamer Jäger 
Die Autobiografie
Die Ballade vom traurigen Café
Frankie
Uhr ohne Zeiger
Das Buch, das mir ein wenig besser gefallen hat ist Das Herz ist ein einsamer Jäger. 
Die anderen Bücher fand ich auch alle gut.

Der vorliegende Band, so wie ich ein wenig im Anhang gespickt habe, wäre damals bei den Literaturkritikern nicht besonders gut herausgekommen.
Nein, dem kann ich mich auch nicht anschließen. Dieses Buch ist auch recht gut. Auch hier leben Individuen innerlich in recht einsamer Form ...

Eine Literaturfigur z.B. schneidet sich die Brustwarze ab, da sie es nicht erträgt, von ihrem Mann betrogen zu werden.
Bin neugierig, wie es für mich sein wird, wenn ich am Ende der Geschichte angelangt bin.


Mittwoch, 23. Juli 2014

Carson McCullers / Die Ballade vom traurigen Café

Klappentext
Miss Amelias Café ist die einzige Vergnügungsstätte weit und breit. Dort verkauft die unabhängige und starke Frau ihren selbstgebrannten Schnaps, und dort lebt sie mit Vetter Lymon, einem kleinen buckligen Mann, der gar nicht ihr Vetter ist. Dann jedoch kehrt ihr ehemaliger Mann in die Stadt zurück. – Eine tragische Dreiecksgeschichte aus den amerikanischen Südstaaten über die im Leben ewig zu kurz Kommenden, über Sehnsucht, Verrat, bittere Enttäuschung und kurzes Glück.

Autorenporträt
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.
Von der Autorin habe ich drei Bücher gelesen und mache mich an das vierte Werk, das eher eine Erzählung ist.

Gelesen habe ich:
1. Das Herz ist ein einsamer Jäger
2. Uhr ohne Zeiger 
3. Frankie
Das vorliegende Werk ist recht dünn, werde es sehr wahrscheinlich heute zu Ende bekommen. Habe allerdings auch gestern Abend damit schon begonnen.

Es gefällt mir auch recht gut!






Donnerstag, 19. Juni 2014

Carson McCullers / Frankie


Klappentext

›Frankie‹ ist die Geschichte eines Reifeprozesses und einer großen Sehnsucht, der Sehnsucht, dabeizusein: beim Leben der Erwachsenen, hier bei der Hochzeit des Bruders, der von einer fremden Frau entführt wird. Frankies Ruf ›Nehmt mich mit!‹, der ungehört dem abreisenden Paar nachhallt, ist der verzweifelte Ruf, den jedes alleingelassene Kind kennt.

Autorenporträt
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.
»Wie alle genialen Dichter überzeugt sie uns davon, daß wir im Leben etwas übersehen haben, was ganz offenkundig vorhanden ist. Sie hat das unerschrocken ›goldene Auge‹.«
Das vierte Buch, das ich von der Autorin lese.

Das Herz ist ein einsamer Jäger 
Uhr ohne Zeiger
Die Autobiografie

Und mir haben sie alle gut gefallen.






Sonntag, 15. Juni 2014

Das Reispflanzerlied / Eileen Chang

Klappentext
China, 50er Jahre: Der junge Bauer Jin'gen und seine Frau kämpfen ums Überleben, aber auch um ihre Hoffnung, die sie mit dem Aufbruch in den Kommunismus verbanden. Unversöhnlich prallen Staat und Individuum aufeinander, und es beginnt ein makabrer Totentanz. Eileen Chang erzählt einfühlsam und menschlich ein modernes Drama. Seit der Bodenreform ist der Bauer Jin'gen sein eigener Herr, doch die Ernte reicht kaum, um ihn und seine Familie zu ernähren. Als der Landbevölkerung eine Sonderabgabe zugunsten der heldenhaften Soldatenfamilien aufgezwungen wird, steht ihre Existenz auf dem Spiel: Die Bauern werden elendig verhungern, wenn sie der Partei folgen- jener Partei, von der sie sich so viel erhofft hatten. In ihrer Not wagen die Dorfbewohner das Unmögliche, den Aufstand gegen die Machthaber- mit katastrophalen Folgen. 

Autorenporträt
Eileen Chang, eigentlich Zhang Ailing, geboren 1920 in Shanghai, veröffentlichte ihre ersten Erzählungen 1942 in der von Japanern besetzten Stadt Schanghai. 1952 ging sie zunächst nach Hongkong und Taiwan, 1955 dann in die USA, wo sie an verschiedenen Universitäten unterrichtete. Sie starb 1995 in San Francisco.
Das Buch habe ich bei Jokers preisgünstig erworben. Ein Restseller. Der Klappentext hatte mich neugierig gestimmt. Vom Genre her wird wird das Buch unter moderner Klassiker eingereiht.





Samstag, 10. Mai 2014

Carson McCullers / Die Autobiographie

Klappentext
»Ich wurde über Nacht zu einer etablierten literarischen Persönlichkeit, und ich war viel zu jung, um zu verstehen, was da mit mir geschah oder welche Verantwortung damit verbunden war. Ich muss unerträglich gewesen sein.« In ihren Memoiren, die sie nicht mehr vollenden konnte, schaut Carson McCullers zurück auf ihr liebevolles Elternhaus in Georgia, ihre ersten Schreibversuche, ihre turbulente Ehe, ihre Freundschaften mit Tennessee Williams, Karen Blixen, Elizabeth Bowen, Edith Sitwell und Marilyn Monroe – und nicht zuletzt auf ihre Krankheiten, die ihr Leben beeinträchtigten und weit vor der Zeit beendeten. Der Band enthält außerdem das Exposé zu ihrem Romandebüt und den Briefwechsel mit ihrem Mann Reeves McCullers aus den Jahren 1944 und 1945.


Autorenporträt

Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.

Carson McCullers zählt zu meinen LieblingsautorInnen. Ich habe vor, nach und nach alle ihre Werke zu lesen.

Das Herz ist ein einsamer Jäger und Die Uhr ohne Zeiger habe ich gelesen und beide Bände haben mir sehr gut gefallen.

Freue mich nun auf die Autobiografie, aus der hervorgeht, dass die Autorin in ihrem Leben zwischen der Realität und Fiktion wandelte.
Carsons Herz war oft einsam, und es war ein unermüdlicher Jäger auf der Suche nach Menschen, denen sie es anbieten konnte; aber es war ein Herz, das mit einem Licht gesegnet war, das seine Schatten überstrahlte. 
Ein total schönes Bild, ein Zitat schon gleich auf der ersten Seite, das ich mir unbedingt herausschreiben musste.






Donnerstag, 10. April 2014

Carson McCullers / Uhr ohne Zeiger



Klappentext
Aus dem Englischen von Elisabeth SchnackIn ihrem letzten Roman thematisiert Carson McCullers die Unabwendbarkeit des Todes: Dem Apotheker Malone wird von seinem Arzt eröffnet, daß er nur noch ein gutes Jahr zu leben hat. Ist das genug Zeit, sich vom Vergangenen zu verabschieden und das Sterben zu akzeptieren?


Autorenporträt
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.
Die Autorin zählt zu meinen Favoriten. Gelesen habe ich von ihr Das Herz ist ein einsamer Jäger. Das Buch führte dazu, dass ich mir noch weitere Werke von der Autorin angeschafft habe, und die werde ich in zeitlichen Abständen nach und nach lesen. Das nächste Buch von ihr wird die Autobiographie sein, die ich lesen werde.

Die ersten einhundert Seiten habe ich schon durch und es liest sich genauso spannend wie das letzte, das ich von ihr gelesen habe.  Unter Spannung verstehe in in diesem Fall die gesellschaftskritischen Themen, die McCullers wieder in ihr Buch gepackt hat. Auch der Rassismus bekommt hier seinen Raum.

Freue mich auf mehr ...





Samstag, 20. Juli 2013

Der große Gatsby / F. Scott Fitzgerald

Klappentext
Der große Gatsby ist ein gesellschaftskritischer Roman, der im New York der 1920er Jahre spielt. Im Mittelpunkt steht die Verkörperung des amerikanischen Traums, das Streben nach Geld, Macht und Liebe, und schließlich dessen Scheitern.


Autorenportrait
Mit dem großen Erfolg seines Romanerstlings 'This Side of Paradise' und mit 'The Great Gatsby' wurde F. Scott Fitzgerald (1896-1940) zum literarischen Wortführer jener Ära, für die er das Schlagwort 'Jazz Age' prägte. Er hat das glitzernde New York der Zwischenkriegsjahre, das sich für die Rhythmen von Duke Ellington und Louis Armstrong begeisterte, zeitdokumentarisch eingefangen, ohne die Frage auszublenden, ob dieser Glanz trügerisch sei. Seine Helden, kaum verhüllte Porträts Fitzgeralds, strotzen vor Selbstbewußtsein und leiden zugleich an ihrem Ausbeuten der eigenen Seele.

Von dem Autor habe ich auch  Der seltsame Fall des Benjamin Button gelesen, wobei mir erst die Buchverfilmung in die Hände geriet, die mir nicht gefallen hatte. Anschließend besorgte ich mir das Buch, von dem ich wiederum sehr angetan war.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch über andere Bücher, das mich neugierig stimmte.





Freitag, 5. April 2013

Carson McCullers / Das Herz ist ein einsamer Jäger

  • Taschenbuch: 588 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 20., Aufl. (1974)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257201435



Klappentext
Der Roman spielt im Staat Georgia, in einer häßlichen heißen Innenstadt. Es ist die Geschichte eines begabten Mädchens, Mick Kelly, und ihres gewaltsamen Kampfes gegen eine unnachgiebige und harte Umgebung. Carson McCullers' mitleidiges Engagement gilt den einsamen Sonderlingen und Außenseitern, die sich um den taubstummen John Singer scharen, um ihm ihr Herz auszuschütten. 

Autorenportrait
Carson McCullers, geboren 1917 in Columbus (Georgia), gestorben 1967 in Nyack (New York), dort begraben. McCullers wollte eigentlich Pianistin werden. Mit 500 Dollar fuhr sie 18-jährig alleine nach New York, um an der renommierten Juilliard-Musikschule zu studieren. Das Geld verschwand auf mysteriöse Weise, doch sie blieb in New York, arbeitete als Sekretärin, Kellnerin, Barpianistin und beschloss, Schriftstellerin zu werden. Der Erfolg ihres Erstlings, ›Das Herz ist ein einsamer Jäger‹, machte die 23-Jährige zum literarischen ›Wunderkind‹. Mit 23 erlitt sie den ersten von drei Schlaganfällen, ihr Leben wurde bestimmt durch die Krankheit, der sie ihr Werk abrang, und durch Einsamkeit, besonders nach dem Selbstmord ihres Mannes 1953.

Die Autorin ist mir unbekannt und entdeckt habe ich sie über ein Literaturforum, in dem das Buch von mehreren Leserinnen gelesen wurde und sie alle von dem Inhalt sehr angetan waren.
Ich habe gestern mit dem Buch begonnen und mir gefällt es sehr, sehr gut. Habe schon schöne Textstellen mir angestrichen und freue mich, sie später aufzuschreiben.

Ich selbst habe nun meine ersten 150 Seiten durch, und das Buch verdient jetzt schon seine zehn von zehn Punkten.



Montag, 18. März 2013

Jenny Williams / Mehr Leben als eins (2)

Biographie zu Hans Fallada

Zweite von zwei Buchbesprechungen zur o. g. Lektüre

Ich habe viel im Buch angestrichen, weiß aber nicht, ob ich alles verwerten werde. Mal schauen, wie weit ich komme.

Die Ursache, weshalb Ditzen sich von den Erwartungen seiner Eltern distanzierte, lag an der autoritären und repressiven Erziehung seiner Eltern. Wobei  mir die Eltern, nach allem, was sie bereit waren für ihren Sohn zu tun, nicht wirklich autoritär vorkamen. Beide Elternteile hatten selbst eine schwere Kindheit zu verwinden, wuchsen ohne Eltern auf, so dass es ihnen sehr wichtig war, den eigenen Kindern eine Familienatmosphäre zu vermitteln, die sie selbst nicht hatten. Die Mutter wuchs bei ihrem liebarmen Onkel auf, der Vater war auf einem Internat. Dazu später mehr. Schon in der Jugend zeigte Ditzen große Auffälligkeiten und unternahm mehrere Suizidversuche, die alle scheiterten.  Mit einem Schulfreund, der ebenso lebensmüde war, duellierte er sich mit dem Ziel, sich gegenseitig zu töten. Obwohl der Freund als erfahren gilt, was die Anwendung von Pistolen betrifft, gelingt es ihm nicht, Ditzen zu töten und verfehlte knapp sein Ziel. Anders Dietzen, der den Freund mitten ins Herz getroffen hatte und starb. Ditzen wurde des Totschlags angezeigt, kam in eine psychiatrische Heilanstalt, und sich dort herausstellte, dass Ditzen selber suizidal war und nur sterben wollte. So wurde die Anzeige wieder fallengelassen.

In keines seiner Werke gibt es eine positive Vaterfigur. Ditzen geriet in den Alkohol und Rauschgiftkonsum und mischte sich unter den Kleinkriminellen. Für den Vater, der Richter von Beruf war, eine große Empörung und Skandale fürchtete.
Der Mensch lebt nicht nur sein persönliches Leben als Einzelwesen, sondern, bewusst oder unbewusst, auch das seiner Epoche und Zeitgenossenschaft (…). Ditzen wurde im selben Jahr geboren wie der radikale Dramatiker Ernst Toller und in dem selben Jahrzehnt wie Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Walter Benjamin, Gertrud Colmar und Karl Zuckmeyer. Er gehört einer Generation deutscher Schriftsteller an, die in ein autoritäres deutsches Reich hineingeboren wurden, bei dessen Zerfall im Ersten Weltkrieg erwachsen wurden und nur vierzehn Jahre parlamentarischer Demokratie erlebten, bevor der Faschismus und ein zweiter Weltkrieg über sie hereinbrachen. 14f
Ditzen war in der Schule Außenseiter und in der Familie das Sorgenkind und das Schwarze Schaf. In den Schulpausen zog er sich zurück und vertiefte sich in seine Bücher. Was die Literatur betrifft, so ist Ditzen auch hier seinen eigenen Weg gegangen, in dem er sich für Bücher begeisterte, die zu Hause verboten wurden:
Ebenso wie seine ältere Schwester Elisabeth sagten Rudolf vor allem solche Bücher zu, die ihre Eltern für ungeeignet hielten und die den Kindern offiziell nicht zugänglich waren. Hierzu zählten nicht nur die volkstümlichen Abenteuerromane Karl Mays, sondern auch Flaubert und Zola, Dumas, Stevenson, Dickens und Dostojewski. 29
Eigentlich alles gute Literaten. In Karl May sind diesmal nicht die Indianer die Bösen, sondern die Weißen. Vielleicht könnte das mit eines der Gründe des Leseverbots sein. Aber bei den anderen Büchern? Die anderen Autoren, die mir auch bekannt sind, schreiben recht gesellschaftskritische Bücher... . Durften gesellschaftskritische Bücher nicht sein?

Ditzen litt unter einer manischen Depression und hatte bis zu seinem Lebensende mehrere psychiatrische Klinikeinweisungen hinter sich. Der Hausarzt der Familie charakterisierte Ditzen folgendermaßen:
Ich halte Ditzen für einen im Denken sehr scharfsinnigen und im Reden schlagfertigen jungen Menschen, der sich äußerlich sehr in der Gewalt hatte, innerlich aber in der Bekämpfung seiner Triebe und Leidenschaften schwach war. 43
Den Eltern versuchte der Schüler Ditzen deutlich zu machen, dass er unbedingt Schriftsteller werden möchte. Die Ärzte, Hausarzt und Klinikärzte rieten ihm von zu viel kopflastige Betätigung ab. Was er brauche, wäre körperliche Arbeit, damit er abgelenkt werden könne. Nach der Klinikeinweisung wurde er auf einen Bauernhof vermittelt, auf dessen Landwirtschaft eingesetzt, auf dem er ein stark reglementiertes Leben mit strengen Vorschriften nachgehen musste.
In seinen Jahren in Posterstein und auf anderen Gütern eignete sich Rudolf Ditzen fundierte Gartenbaulicher, Land-und forstwirtschaftliche Kenntnisse an: "Und doch habe ich all diese Zeit- das aber erfuhr ich erst Jahrzehnte später gelernt für das, was ich einmal werden sollte; ein Schriftsteller. Ich war nämlich fast immer mit Menschen zusammen, ich stand hinter den endlosen Reihen der schwatzenden Frauen beim Rübenhacken, beim Kartoffelbuddeln, und ich hörte die Frauen und die Mädels schwatzen, von morgens bis abends ging das. Abends schwatzte dann der Chef, und auch die Schweizer im Kuhstall schwatzten wie die Knechte beim Füttern im Stall. Ich konnte ja nicht anders, ich musste zuhören, ich lernte, wie sie reden und was sie reden, was sie für Sorgen haben, was ihre Probleme sind. 63
Als Kind einer gut situierten Familie hat Ditzen hier nun gelernt, sich auf die Welt der einfachen Leute einzulassen. Und ich finde, das ist ihm sehr gut gelungen. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Literaturwissenschaftler, der Ditzen abgewertet hatte in der Form, dass seine Bücher keinen literarischen Wert hätten und bezog dies auch auf die literarische Sprache. Damals hatte ich noch keine Auto / Biographien von dem Autor gelesen aber heute wüsste ich schon, mit dem Hintergrund, den ich nun habe, was ich ihm antworten würde. Sich auf das Leben anderer Menschen einzulassen, zeigt ein großes Maß an Menschlichkeit. Ditzen öffnete sich, um innerlich diese Menschen in sich einzulassen und über ihre Probleme ganze Bücher zu schreiben. Das ist auch eine Kunst und beweist eine hohe Gabe an Sensibilität und Feinfühligkeit.

Als die Eltern sich mittlerweile abgefunden haben, dass Rudolf vom Schreiben nicht abzubringen ist, verlangten sie von ihm, sich einen Pseudonym anzulegen, um die Familie zu schützen. Rudolf Ditzen machte sich auf die Suche. Im folgenden Zitat erfährt man, wie Rudolf Ditzen seinen Schriftstellernamen hat finden können:
Rudolf Ditzens nächster Schritt bestand darin, sich einen Schriftstellernamen zuzulegen. Diesmal suchte er nicht in den Büchern von Oscar Wilde nach einer passenden literarischen Figur, sondern in der Welt der Grimmschen Kinder-und Hausmärchen:  >Hans< nach der leicht zu übertölpenden, aber sorglosen Titelgestalt in >Hans im Glück<   und  >Fallada< in >Die Gänsemagd<, das um den Preis des eigenen Lebens und noch nach seinem Tode stets die Wahrheit spricht und für ausgleichende Gerechtigkeit sorgt. 79
Dies, so finde ich, der Anspruch nach Gerechtigkeit, passt zu Ditzen, wird in allen seinen Werken deutlich, wer die Verlierer / Gewinner im Leben sind, wer zu den Benachteiligten einer Gesellschaft zählt.

Obwohl Ditzen sich mit seinen Eltern nicht so sehr verstand und er unter der repressiven und autoritären Erziehung litt,  hatte er seinem Vater viel zu verdanken. Ich finde es sehr lobenswert, dass der Vater dennoch zu seinem Sohn hielt und ihn nicht hat fallen lassen. In Familien stehen oft die gesellschaftlichen Konventionen an oberster Stelle.
Rudolf Ditzen verdankte seinem Vater viel. Er war es, der zuerst die Liebe zur Literatur in ihm weckte, der sich weigerte, ihn während der Pubertät im Stich zu lassen, der ihn finanziell unterstützte, als er an seinem ersten Roman schrieb, und der stets bemüht war, die Verbindung zu seinem Sohn nicht abreißen zu lassen, obwohl Vater und Sohn vieles gemeinsam hatten - die Liebe zur Literatur (...).
Aus meiner Sicht ist diese Haltung den Eltern, hier insbesondere dem Vater, hoch anzurechnen. Viel zu viele Familien gehen auseinander, wenn ein Kind sich nicht den Erwartungen ihrer Eltern entwickelt. Meist sind diese Erwartung verknüpft mit den Erwartungen jener Gesellschaft eines Landes. Oft frage ich mich dabei, ob die Eltern die Gesellschaft mehr lieben als das eigene Kind.

Wegen kleiner Delikte wurde Rudolf Ditzen eingesperrt. Erstaunlicherweise zog er daraus eine positive Bilanz, da er nirgends so viel Ruhe zum Schreiben fand wie in einem Gefängnis. Ich musste so lachen, als er sagte, wer ein Buch schreiben möchte, der solle sich ins Gefängnis einsperren lassen. Humor hat Ditzen ab und an auch gehabt... Ein Witz, aber auch mit einem Kern an Wahrheit.
Bereits nach vier Tagen Haft gelang Ditzen zu dem Schluss: Ich bin noch in keinem Sanatorium, in keiner Irrenanstalt so anständig behandelt worden wie hier. Wenn ich meine Arbeit tue, kümmert sich kein Mensch um mich weiter. Ich bin in meiner Zelle, ich kann lesen, schlafen, schreiben, singen, auf- und abgehen: Niemand fragt danach. Und die schöne Ruhe hier ... . Ernst von Salomon, der um die gleiche Zeit im Gefängnis (…) einsaß, teilte Ditzens Wertschätzung der Vorzüge des Gefängnislebens: für jeden, der die Ordnung liebt, ist das Gefängnis ein durchaus möglicher Ort. Die Ausschließlichkeit der vier nackten Wände zwingt zu einer gewissen Unbedingtheit der Forderungen an sich selber, zugleich zwingt sie, mit ihren Realitäten fertig zu werden. 101
Das ist nur ein Teil der Realität, wie Ditzen sie äußert. In den anderen Büchern steht er der Justizvollzugsanstalt recht ablehnend gegenüber und zeigt eine kritische Haltung, dass diese Einrichtungen nicht ausreichend menschengerecht ausgestattet seien. Überfüllte Zellen, mangelnde Hygiene, und einseitige Ernährung, die aus Wasser und Brot besteht.

Ditzens Bücher wurden im Nationalsozialismus weder verboten noch verbrannt, da die Bücher als zu populär und politisch als harmlos eingestuft wurden. Goebels selbst lobte das Buch >Kleiner Mann was nun?<  als "Ein tolles Buch. Der Junge kann was" 252. Da hat wohl Ditzen Glück gehabt.

Ditzen war auch ein Opfer seiner Zeit, auch wenn er nicht zu den gesuchten Schriftstellern oder zu den Verfolgten des Nationalsozialismus zählte. Er erlitt immer wieder psychische Zusammenbrüche, greift immer wieder erneut zum Alkohol oder zu Morphium. Wie viele Schriftsteller seiner Zeit, die Deutschland verlassen hatten und woanders als Exilant lebten, konnte Ditzen es ihnen nicht gleichtun, da er Deutschland sehr liebe und er sich in keinem anderen Land schreiben könne wie in seinem eigenen. Lieber gehe er mit den Deutschen unter als zu emigrieren. Ich kann Ditzen verstehen, ginge mir auch so. Mir ist Deutschland auch mein liebstes Land.
>(…) Ich kann mein Geburtsland nicht verlassen, denn ich bin ein Deutscher, ich sage es heute noch mit Stolz und Trauer, ich liebe Deutschland, ich möchte nirgendwo auf der Welt leben und arbeiten als in Deutschland. Könnte es wahrscheinlich nirgendwo anders.< (…) Die Emigration war durchaus keine leichte Wahl: Ditzens Schriftstellerkollegen Kurt Tucholsky, ebenfalls Hausautor bei Rowohlt, hatte 1935 in Schweden Selbstmord verübt. Heinz Kiwitz war im spanischen Bürgerkrieg verschollen; Franz Hesse sollte 1941 in Frankreich an den Folgen der Inszenierung in einem französischen Lager sterben; Ernst Toller, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Walter Hasenclever-sie alle haben sich im Exil das Leben genommen. 267
Im Folgenden die Beurteilung der Nazi-Journalisten zu Ditzens Büchern:
Während der Literaturwissenschaftler Helmuth Langenbucher die offizielle Auffassung diktierte, > Wir hatten mal ein Kind< sei weder nützlich, positiv noch deutsch, gab es eine Anzahl von Nazi-Journalisten, die das Werk als komplizierten Blut-und-Boden-Roman prießen und an ihm > Rasseempfinden, Blutsempfinden und Bodenbeständigkeit (...) bewunderten. 225
Trotzdem wurde auch Ditzen von der Gestapo aufgesucht, eine Hausdurchsuchung durchführten, als ihm vorgeworfen wurde, er würde den Hitlergruß verweigern und keine Hitler-Portraits bei sich aufhängen. Auch wurde Ditzens Stammbaum überprüft. Das alles setzte auch Ditzen unter einem enormen psychischen Druck.

Dennoch hat Ditzen den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren:
Durch den ganzen Roman, > Kleiner Mann was nun<, >Der Trinker<  ist sein Glaube an die menschliche Anständigkeit und menschliche Vervollkommnungsfähigkeit sowie seine Überzeugung, dass Menschen häufig Opfer der Umstände sind:> verzweifelte Lage eines verzweifelten Volkes, verzweifelt handelt jeder einzelne Verzweifelte> . 251
Ich finde, dass diese Denkhaltung etwas Versöhnliches trägt.

Ich habe noch gar nichts zu seiner Familie gesagt, und auch nichts über seine Geschwister. Ditzen war zwei Mal verheiratet und beide Male missglückte die Ehe, obwohl er mit seiner ersten Frau Suse über viele Jahre glücklich gelebt hatte. Suse war eine einfache Frau, zeigte sich aber stark und patent im Alltagsleben, während Ditzen sich als feige bezeichnete. Suse wurde von seinen Eltern nicht sofort akzeptiert. In >Kleiner Mann was nun?< spiegelt sich die Ehe dort wieder. Emma, Spitzname Lämmchen als Suse, Johannes Pinneberg, Spitzname Jnngche als  Rudolf  Ditzen. In dem Buch werden soziale und ökonomische Nöte behandelt, die Wirtsckaftskrise mit ihr verbunden die Inflation und die Arbeitslosigkeit. Und immer ist es Emma, die in der Not die Starke ist und vieles selbst anpackt.. . Weitere Details sind dem Buch zu entnehmen. Ich habe nicht das Bedürfnis, hier alles festhalten zu müssen. Deshalb, besser selbst das Buch lesen und fehlende Informationen durch Selberlesen ausgleichen.

Die Biographie bekommt von mir 10 von 10 Punkten. Habe darin Rudolf  Ditzen wiedererkannt, war demnach sehr gut recherchiert, und sie war sehr vielseitig.
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 „Wo viel Liebe ist, kann sich das Böse nicht entfalten“
         (Aus der Zauberflöte, Mozart)

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